Sonntag, 12. November 2017

ARTENREICH - Joel Sartore

Quelle National Geographic


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    ~*~*~*~*~*~*~*~ MEINE MEINUNG ~*~*~*~*~*~*~*~
 

Es ist erschreckend, dass man in unserer heutigen Zeit mehr denn je darauf hinweisen muss, wie einzigartig und schützenswert die Natur ist, wie vielfältig und bedroht. Eigentlich sollte man meinen, dass der Mensch aus seinen Fehlern gelernt hat und einige haben das sicherlich auch, aber die meisten von uns leben trotzdem noch nach der Divise "Nach mir die Sintflut". Umso wichtiger finde ich Bildbände wie Artenreich, welcher ein Teil von Joel Sartores Projekt Photo Ark ist, bei dem er jede einzelne der geschätzt 12.000 "in Gefangenschaft, das heißt in menschlicher Obhut lebende Spezies der Erde ablichten" will. Ein großes Projekt und ein wichtiges, denn mit diesem Projekt möchte Sartores den "Niedergang der weltweiten Biodiversität" aufhalten. 

"Dass Sie gerade dieses Buch lesen, ist ein Beleg für Ihr Interesse am Artenschutz. Sie wissen vermutlich auch, dass gegenwärtig Arten schneller ausgelöscht werden als zu jedem anderen Zeitpunkt der Erdgeschichte seit dem Aussterben der Dinosaurier."
(Harrison Ford, Seite 11)


Artenreich ist ein prächtiger Bildband, so schön und faszinierend, dass mir die Worte fehlen, ihn angemessen zu beschreiben. Meine Liebe für dieses Buch fängt schon mit mit dem edlen schwarzen Cover und dem dazu passenden schwarzen Buchschnitt an. Sobald man den Buchdeckel öffnet erwartet mich eine unfassbare Vielfalt an Fotografien. Noch vor dem Titelblatt gibt es die erste Fotografie, die mein Tierliebhaberherz dahinschmelzen lässt: Jungtiere des Großen Pandas, die miteinander kuscheln. Und auch vor dem Vorwort warten atemberaubend schöne Fotos. Vor allem das der blau leuchtenden Hunduracke könnte ich stundenlang betrachten. 


Copyright: Joel Sartore
Copyright: Joel Sartore
 


"Ich sehe mich als Tierbotschafter, als Stimme für die, die keine Stimme besitzen."
(Joel Sartore, Seite 32)

Das Vorwort ist eine weitere schöne Überraschung, denn es wurde von niemand Geringerem als Harrison Ford geschrieben, der nämlich nicht nur Schauspieler, sondern auch stellvertretender Vorsitzende im Vorstand von Conservation International ist. Und leider bestätigt auch Harrison Ford noch einmal, dass Artenschutz in der heutigen Zeit wichtiger und nötiger denn je ist. Eine traurige Tatsache, eine, bei der man nur den Kopf schütteln kann. Wie kann das sein? 

"Stellt man sich die Natur als einen Wandteppich vor, wäre jede einzelne Art ein Faden darin. Welche Fäden das Ganze zusammenhalten, wissen wir nicht; jeder, der herausgezogen wird, könnte dazu führen, dass sich das Gewebe insgesamt auflöst."
(Harrison Ford, Seite 11)

Joel Sartore möchte mit seinem Bildband ein Bewusstsein schaffen. Er möchte, dass die Menschen sich die Tiere in diesem Buch ansehen (die manchmal auch zurückschauen) und sich fragen: was passiert, wenn diese Art für immer ausgelöscht wird? Und viel wichtiger noch, was kann ich tun, damit das nicht geschieht? Wie kann mein eigenes Handeln dazu beitragen, dass die Biodiversität erhalten bleibt? 


                                     Copyright: Joel Sartore                                                                                                      Copyright: Joel Sartore


"Kein Einzelner kann die Welt retten, aber jeder Einzelne kann sicherlich etwas Bedeutendes leisten"
(Joel Sartore, Seite 33)

Und die Fotos selbst? Die sind in fast schon poetische Kategorien eingeteilt. Da ist zum Beispiel das erste Kapitel namens Spiegel, dessen Fotos durch Reflexion Verständnis, Mitgefühl und Empathie auslösen sollen. Zu den hier abgelichteten Tiere bauen wir schnell eine Verbindung auf, wir nehmen artenübergreifende Ähnlichkeiten wahr und ziehen Parallelen von uns zu den Tieren. Kurz gesagt, das erste Kapitel öffnet unsere Herzen für die Vielfalt der Fauna. Da ist der winzige Bengalische Plumplori mit seinen großen braunen Augen, da ist der Polarfuchs mit seinem neugierig schief gelegten Kopf und die Gottesanbeterin mit genau der gleichen fragenden Körperhaltung, da ist der allzu menschliche Schimpanse, oder die Riesenassel, die erstaunliche Ähnlichkeit mit dem südlichen Kugelgürteltier hat. Dieses Kapitel nennt sich auch Spiegel, weil es völlig unterschiedliche Arten auf eine Art und Weise zeigt, bei der sie sich plötzlich unfassbar ähnlich sehen. Streifenbeutler und Weißkehlwaran mit ihren herausgestreckten Zungen. Südafrika-Kronenkranich und Karibische Goldrose mit ihren verrückten "Frisuren", die echten und die dekorativen goldenen Augen von Bananenfalter und Virginia-Uhu... Ich könnte ewig so weitermachen und jedes einzelne Paar benennen, weil sie mich alle faszinieren und ich mich in jedes einzelne verlieben könnte, ja vielleicht sogar schon verliebt habe. 

 "Die Tiere, die ich fotografiere, verhalten sich passiv oder aggresiv, scheu oder angeberisch, albern oder verspielt. Mit anderen Worten: genau wie wir."
(Joel Sartore, Seite 317)

Im zweiten Kapitel Partner werden uns tierische Paare vorgestellt. Manche sind gehen eine Verbindung fürs Leben ein, manche führen kurzfristige Beziehungen, manchmal zeigen die Fotos Geschwister und manchmal Eltern mit ihren Kindern. Die Partnerschaften im Tierreich sind so vielfältig wie bei uns Menschen. Das dritten Kapitel Gegenüber beschäftigt sich mit der Anziehungskraft, die das Andersartige auf uns ausübt. Es ist das Gegenteil zum Kapitel Spiegel, denn hier geht es nicht um Verbindungen, die aufgrund von Ähnlichkeiten entstehen, sondern um Verbindungen die durch das vollkommene Fehlen von Ähnlichkeiten wachsen. Hier geht es um Schmrotzer, um Rivalen, um Konkurrenz, um Jäger und Beute und um geborene Antagonisten. Nirgendwo gibt es so viele und so extreme Kontraste wie in der Natur, was sie nur noch schützenswerter macht. 

Copyright: Joel Sartore

 Und dann ist da noch das vierte Kapitel, das mich vermutlich am meisten fasziniert, weil es sich mit Tieren befasst, die in kein Schema passen: Kuriositäten. Diese Tiere beweisen, wie einzigartig die Natur ist, wie wunderschön, wie vielfältig, wie besonders. Zu diesen Kuriositäten gehören der frech schauende Selayar-Koboldmaki, der Afrikanische Mondspinner mit seinen überdimensionalen Antennen, das nachaktive Fingertier, die Wolfsspinne mit ihren vielen unterschiedlich großen Augen oder der Barton-Langschnabeligel. 

"Niemand kann diese einfühlsamen Porträts sehen, ohne von ihnen begeistert zu sein oder sich motiviert zu fühlen, alles Menschenmögliche für den Schutz und Erhalt der Tiere zu tun. Auch unsere Kinder und Enkel sollen diese unglaublichen Tierwesen bestaunen können."
(Jane Goodall, Klappentext)

Zwischen den über 400 Fotografien finden sich neben Zitaten und Anektdoten auch immer wieder Doppelseiten, auf denen Menschen wie Jack Rudloe, Brian Gratwicke oder Don und Ann Butler vorgestellt werden, die einen besonderen Beitrag zum Artenschutz leisten. Und es gibt immer wieder Doppelseiten namens Hinter den Kulissen wo gezeigt wird, wie die Fotos entstanden sind. Und wie etwa der schwarze oder weiße Hintergrund erzeugt wurden, denn einige Fotos sind tatsächlich im "Studio" entstanden, mit den Tieren als äußerst eigenwilligen Models. Wichtig war es hierbei, die Fotos so schnell wie möglich zu machen, um den Tieren Stress zu ersparen. Oft wurde der Hintergrund schon Tage vorher angebracht, sodass sich die Tiere daran gewöhnen konnten. Und ich finde, dass man an den Fotos sieht, dass sich die Tiere zwar mal temperamentvoll und mal schüchtern, mal verschmust und mal angriffslustig verhalten, dass sie aber nie gestresst oder verängstigt aussehen.

Artenreich ist nicht nur ein beeindruckendes Buch voller atemberaubender Fotos, bei denen einem das Herz aufgeht. Es ist vor allem auch ein wichtiges Buch, das in den Artenschutz und seine Bedeutung wieder in den Fokus rückt. Wem es geht wie mir, wer etwas für den Artenschutz tun möchte, der kann nicht nur dieses Buch kaufen, er kann sich auch auf www.natgeophotoark.org über Joel Sartores Projekt Photo Ark informieren. Ich werde es tun, denn für viele der hier vorgestellten Arten wird die Zeit knapp, manche sind in freier Wildbahn bereits ausgestorben. Hoffen wir, dass wir unseren eigenen Beitrag für die Biodiversität leisten können.






~*~ National Geographic ~*~ 400 Seiten ~*~ ISBN-13: 978-3-86690-639-6 ~*~ Gebundene Ausgabe mit schwarzem Buchschnitt ~*~ Format 26,8 x 28,9 cm ~*~ 60,00€ ~*~ 16. Oktober 2017 ~*~ 


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Samstag, 11. November 2017

HEX - Thomas Olde Heuvelt

Quelle Heyne


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   ~*~*~*~*~*~*~*~ MEINE MEINUNG ~*~*~*~*~*~*~*~

 
In letzter Zeit verspüre ich ein regelrechtes Verlangen nach einer guten Horrorgeschichte, aber ich habe das Gefühl, dass solche kaum noch verlegt werden. Eine Hexengeschichte ist mir zwar nicht so lieb wie Geistergeschichten, aber heutzutage darf man scheinbar nicht allzu wählerisch sein. 

Die Geschichte spielt in Black Spring, einem kleinen Dorf im Hudson Valley (Black Spring, das erinnert mich sofort an Stephen Kings The Mist). Im Siebzehnten Jahrhundert wurde in diesem Dorf die Hexe Katherine van Wyler zum Tode verurteilt, nur um kurz darauf wieder aufzutauchen und das Dorf heimzusuchen. Seit 300 Jahren lebt sie nun schon in Black Spring und hat die Menschen dort verflucht. Wer versucht, das Dorf zu verlassen, leidet immer schlimmer an Suizidgedanken, bis die Verfluchten schließlich tatsächlich Selbstmord begehen. Bislang hat das Militär keine Möglichkeit gefunden, den Fluch zu brechen oder die Hexe aufzuhalten und so gelten strenge Regeln: kein Besuch von außerhalb und kein Internet. 

Eine Horrorgeschichte wäre wohl keine Horrorgeschichte, wenn es keine dummen Teenager gäbe. So sind auch in diesem Buch Teenager, die sich nicht an die Regeln halten, der Auslöser für das Grauen, das über Black Spring kommen wird. Und was das für ein Grauen ist. Ich liebe ja subtilen Horror, solchen, bei dem nicht explizit ausgeschrieben wird, warum was passiert. Horror muss nicht blutig sein, Horror muss mir immer wieder kleine Schauer über den Rücken jagen. War das jetzt Zufall? Oder war das die Hexe?

Interessant fand ich, dass die Hexe einen scheinbar festen Bestandteil im Leben der Bewohner hat. Sie ist weder unsichtbar noch konturlos, sie ist keine bloße Legende. Sie taucht in Fleisch und Blut in Wohnungen auf, wo die Menschen sich angewöhnt haben, ein Tuch über sie zu hängen und sie zu ignorieren, bis sie wieder verschwindet. Die Beschreibung der Hexe, mit ihrem zugenähten Mund und ihren zugenähten Augen... Sie sagt nichts, sieht niemanden an, und trotzdem bekomme ich eine Gänsehaut, wenn sie auftaucht. Das ist der subtile Horror, den ich meine. Sie scheint nichts zu tun und trotzdem passieren in ihrer nähe seltsame Dinge, sodass man wie die Dorfbewohner nie weiß, ob man belustigt oder verängstigt sein soll. Das ist viel gruseliger als eine mordende, rasende, blutdurstige Bestie, viel spannender als eine Splattergeschichte.

Erzählt wird die Geschichte aus unterschiedlichen Perspektiven, was bis auf das Ende sehr gut funktioniert. Schwierigkeiten hatte ich eigentlich nur mit dem Schreibstil, es hat bis zur Hälfte des Buches gedauert, bis ich mich daran gewöhnt hatte. Irgendwie liest sich die Geschichte sehr holprig, ich hätte mir einen flüssigeren Stil gewünscht, einen eindringlicheren, einen, bei dem ich wirklich ganz nah an den Figuren bin. Das hätte den subtilen Horror sicher noch einmal gesteigert. 

Abgesehen davon ist Hex wirklich genau das, was ich mir gewünscht habe: ein guter Horrorroman, der ohne Splatter auskommt und der durch seinen subtilen Horror unter die Haut geht. 




~*~ Heyne ~*~ 432 Seiten ~*~ ISBN: 978-3-453-31906-6 ~*~ Paperback ~*~ 12,99€ ~*~ Aus dem Amerikanischen von Julian Haefs  ~*~ 06. Oktober 2017 ~*~ 


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Freitag, 10. November 2017

MEMORY GAME ~ ERINNERN IST TÖDLICH - Felicia Yap

Quelle Penhaligon


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 ~*~*~*~*~*~*~*~ MEINE MEINUNG ~*~*~*~*~*~*~*~
 

Spätestens seit Ich.Darf.Nicht.Schlafen liebe ich Thriller, die sich mit den Themen Erinnerungen, deren Manipulation und Gedächtnisverlust beschäftigen. So bin ich beim Stöbern nach ähnlich gutem Lesestoff vor Kurzem auf Memory Game gestoßen. 

Die Grundidee hat mich sogar sehr stark an Ich.Darf.Nicht.Schlafen erinnert, denn Protagonistin Claires Gedächtnis reicht nie weiter als 24 Stunden zurück und ohne ihr Tagebuch wäre sie vollkommen hilflos. Das Besondere an Memory Game ist aber, dass in Claires Welt alle Menschen an diesem extrem kurzen Gedächtnis leiden. Manche Menschen können sich an einen Tag erinnern (Monos), manche an zwei (Duos), aber niemand an das, was drei Tage oder länger zurückliegt. Stellt euch vor, wie schwer es sein muss, in so einer Welt einen Mord aufzuklären, wenn selbst der Mörder sich nach wenigen Tagen nicht mehr an die Tat erinnern kann!

Und genau das passiert in Memory Game. Eine Leiche wird gefunden, die Polizei klingelt an Calires Haustür und behauptet, die tote Frau sei die Geliebte ihres Mannes gewesen. Plötzlich stellt sich die Frage, wie gut Claire ihren Mann eigentlich kennt und auch, wie gut sie sich selbst kennt. Wäre sie dazu in der Lage, einen Mord zu begehen und das Verbrechen einfach nicht aufzuschreiben, um es für immer aus ihren Erinnerungen zu löschen? Wäre ihr Mann dazu in der Lage? 

Die Prämisse ist also super. Etwas kaputt gemacht wurde sie aber schon einmal dadurch, dass die Geschichte an nur einem Tag spielt. Wozu das ganze Setting mit den Monos und Duos einführen, wenn das Vergessen kaum eine Rolle spielt? Ich hätte gerne erlebt, wie die Kommissare ermitteln, wenn sie selbst alles wieder vergessen haben. Dazu kommt leider, dass Memory Games extrem langatmig ist. Es ist wieder einer dieser Thriller, wo Ehedrama oder Familiendrama viel besser als Genrezurodnung gepasst hätte. Ich hatte mich sehr auf dieses Buch gefreut und bin enttäuscht, dass es zwischendurch so langweilig war. Nach dem Klappentext habe ich deutlich mehr erwartet. 



 
~*~ Penhaligon ~*~ 448 Seiten ~*~ ISBN: 978-3-7645-3182-9 ~*~ Paperback ~*~ 14,99€ ~*~ Aus dem Englischen von Bettina Spangler ~*~25. September 2017  ~*~ 


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Donnerstag, 9. November 2017

QUALITYLAND - Marc-Uwe Kling

 (Quelle Ullstein)


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   ~*~*~*~*~*~*~*~ MEINE MEINUNG ~*~*~*~*~*~*~*~
 

Ich habe lange überlegt, wie ich diese Rezension schreiben soll, weil meine eigene Meinung so zwiegespalten ist. Ich bin - wie vermutlich viele - ein großer Fan der Känguru-Chroniken und habe Marc-Uwe Kling bereits diverse Male live erlebt. Als die Tickets für seine Qualityland-Lesung in Köln in den Verkauf gingen, habe ich sofort zugeschlagen. Ich bin mit hohen Erwartungen zu dieser Lesung gegangen und wurde nicht enttäuscht. Marc-Uwe Kling und Boris the Beast haben eine unfassbar gute Performance abgelegt. So gut, dass das Publikum wie bei einem Rockkonzert getobt hat, als das Qualitypad Pink das erste Mal gesprochen hat - nämlich mit einer Stimme, auf die alle den ganzen Abend gewartet haben. Nach diesem Abend war ich mir sicher, dass ich Qualityland lieben werde. Und die Idee ist ja auch großartig. 

In der Zukunft leben die Menschen in Qualityland. Ihre Bestellungen kommen automatisch per Drohne (sie müssen nicht einmal bestellt werden, das System weiß, was du willst), bezahlt wird mit dem Qualitypad per TouchKiss, Menschen tragen den Beruf ihrer Eltern als Nachnamen, Autos sind selbstfahrend, das System sucht dir deine Freunde aus, das Leben wird in Sozialpunkten gemessen... Eine schaurige Dystopie. Dazu das Prinzip der personalisierten Literatur mit den zwei verschiedenen Ausgaben (optimistisch und apokalyptisch). Marc-Uwe Kling hatte wieder einmal eine grandiose Idee. 

Aber der Roman selbst (ein richtiger Roman, kein Episodenroman wie bei den Känguru-Chroniken) ist nicht ganz so bissig, nicht ganz so scharfzüngig, nicht ganz so witzig wie die Känguru-Chroniken, denn lange gibt es im Plot keine Figur, die so schonungslos direkt ist wie das Känguru. Die Aufmachung ist wirklich toll, aber den Roman nur zu lesen ist kein Vergleich zu einer Live-Lesung von Kling. 

Also habe ich mir, weil ich natürlich wissen wollte, wie es weitergeht, das Hörbuch besorgt. Aber auch hier war ich irgendwie ein bisschen enttäuscht. Vielleicht hätte ich nicht zuerst zur Lesung gehen sollen, aber andererseits wollte ich die Lesung völlig ohne Vorwissen erleben. Jedenfalls liest Kling das Hörbuch etwas anders als die Känguru-Chroniken, irgendwie fehlt das gewisse Etwas, die besondere Intonation. Und mir fehlen tatsächlich die Jingles, die Boris the Beast beim Liveauftritt eingespielt hat. Zum Reiseführer, der Werbung, den Nachrichten. Ich hab fest damit gerechnet, sie auch im Hörbuch zu hören. 

Qualityland ist ein toller Roman und es finden sich dort allerhand Anspielungen (etwa wenn Karl das Auto behauptet, sein Ironiedetektor funktioniere nicht richtig). Live gehört macht es auch extrem viel Spaß. Das Buch besticht zwar durch seine Aufmachung, aber ich bleibe dabei, dass man Klings Bücher hören muss statt sie zu lesen,  und das Hörbuch ist nicht so gut wie ich es erwartet habe. Vielleicht bin ich aber auch nur so streng, weil insgeheim viel lieber einen vierten Känguru Band gelesen hätte...



~*~ Ullstein ~*~ 384 Seiten ~*~ ISBN-13 9783550050152 ~*~ Hardcover  ~*~ 18,00€ ~*~ 22. September 2017 ~*~ 


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Mittwoch, 8. November 2017

MANOLITO - Friedrich Hechelmann

Quelle Knesebeck


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   ~*~*~*~*~*~*~*~ MEINE MEINUNG ~*~*~*~*~*~*~*~



Friedrich Hechelmann kennt man eigentlich als Buchillustrator und auch in Manolito sind seine lieblichen, verträumten Werke zu finden. Zugleich handelt es sich bei Manolito aber auch um Hechelmanns ersten Roman. Ein Künstler, der schreibt? Kann das funktionieren oder sollte er sich nicht lieber auf seine Kunst konzentrieren?

In Manolito geht es um Knuth Rabenhorst, einen pflichtbewussten Mitarbeiter eines Forschungsinstituts, der eines Tages gekündigt wird. Kaum zuhause angekommen stellt er fest, dass eines der Versuchsobjekte - Nummer 226 - in einer Tasche seines Arbeitskittels steckte. Nummer 226, das ist ein elfenartiger Junge, gerade einmal so groß wie eine Kichererbse, der dem Leben im Käfig entfliehen will. Und weil Knut Rabenhorst ohnehin gerade gekündigt wurde, beschließt er, Nummer 226 nicht wieder zurück ins Labor zu bringen, und gibt dem kleinen Jungen den Namen Manolito. 

Ab da spinnt Hechelmann eine magische Geschichte um den kleinen Manolito, der ein großes Herz für Tiere hat uns sich schließlich auf nach Aronia macht, um die Welt der Tiere zu retten. Dort trifft er auf die Maus Hedwig, die Hummelkönigin Klara und auf die Fledermaus Philomena. Natürlich lernt er auch Kasimir kennen, die Krähe, die Knuth großgezogen hat. 

Hinter dieser märchenhaften Geschichte steckt eine Kritik am modernen Menschen, an unserer Art zu leben und daran, wie wir die Natur systematisch zerstören. Denn die Tiere leben nur deshalb auf dem Kontinent Aronia, weil sie in der Welt der Menschen nicht mehr überleben können. Manolito öffnet Knuth die Augen - und vielleicht auch dem Leser.

Inhaltlich funktioniert Manolito modernes Märchen ausgesprochen gut. Nur sprachlich... Friedrich Hechelmann hatte eine schöne Idee, aber so märchenhaft schreiben, wie er malt, kann er nicht. Der Schreibstil ist recht nüchtern und trocken, die Sätze sind kurz, wirken teilweise abgehackt. Nicht besonders märchenhaft und nicht besonders ansprechend für Kinder. Ja, man merkt, dass es sich bei Manolito um ein Debüt handelt. Es ist eine schöne Geschichte, aber wenn Hechelmann noch weitere Werke plant, sollte er zunächst an seinem Stil pfeilen. 




~*~ Knesebeck ~*~ 176 Seiten ~*~ ISBN 978-3-95728-060-2 ~*~ Gebundene Ausgabe mit Schutzumschlag ~*~ farbig illustriert ~*~ Format 19,5 x 30,0 cm ~*~ ~*~ ~*~


 
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