Mittwoch, 26. Juli 2017

TANZ DES BLUTES ~ BLACK DAGGER LEGACY (2) - J. R. Ward


Quelle Heyne

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~*~*~*~*~*~*~*~ MEINE MEINUNG ~*~*~*~*~*~*~*~

"Ein tragischer Schicksalsschlag machte den jungen Vampirkrieger Axe zu einem melancholischen Einzelgänger. Nun setzt er alles daran, in die Bruderschaft der BLACK DAGGER aufgenommen zu werden, denn nur im Kampf gegen die Lesser, so glaubt er, kann er seinem Leben einen neuen Sinn verleihen. Das ändert sich an dem Tag, an dem er der Aristokratentochter Elise als Bodyguard zugeteilt wird und sich mehr und mehr zu der schönen Vampirin hingezogen fühlt. Doch gerade als sich die erotische Leidenschaft zwischen den beiden in Liebe zu verwandeln scheint, droht ein dunkles Geheimnis aus Axes Vergangenheit alles zu zerstören ..."
(Quelle Heyne)

~*~*~*~*~*~*~*~ MEINE MEINUNG ~*~*~*~*~*~*~*~
 
 
Schon beim ersten Band des Black Dagger Brotherhood Spin-Offs Black Dagger Legacy: Kuss des Blutes war ich mir nicht ganz sicher, was diese neue Rehe darstellen soll. Ist es wirklich ein Spin-Off? Aber wenn ja, über wen und warum? Protagonistin Paradise wurde in einem Black Dagger Brotherhood Band eingeführt, bevor sie ihre eigene Geschichte bekommen hat, und auch einige andere Figuren der Brotherhood Serie hatten ihren Auftritt. Mehr noch, die Handlung der Brotherhood Reihe wurde in Legacy fortgesetzt. Was das Ganze ziemlich kompliziert macht. Bis wohin muss man in der Brotherhood-Reihe gelesen haben, um sich nicht von Legcay spoilern zu lassen?

Nun ist er da, der zweite Band aus der Legacy-Reihe: Tanz des Blutes. Anders als zunächst vermutet, geht es hier nicht weiterhin im Paradise und Craeg, sondern um ein neues Pärchen: Axe und Elise. Warum also ein Spin-Off schaffen, wenn es doch wieder nur um neue Paare geht und man alle Brotherhood-Bände gelesen haben muss, um inhaltlich mitzukommen? Und warum ein Spin-Off schaffen, wenn gefühlt fünzig Prozent des Buches von Mary und Rhage handeln, dem ersten Brotherhood-Pärchen überhaupt, das bislang zwei komplette Doppelbände für sich beansprucht hat? Ich verstehe noch immer nicht, warum die beiden Legacy-Bände nicht einfach in die Brotherhood-Bände eingegegliedert wurden. Für mich ergibt diese Abspaltung inhaltlich überhaupt keinen Sinn. 

Und die Geschichte selbst? Naja. Die Geschichte von Paradise und Craeg hat mich richtig begeistert, weil mir die beiden Figuren so gut gefallen haben. Axe und Elise bleiben dagegen ein wenig blass und Mary und Rhage drängen sich zu sehr in den Vordergrund. Ich hatte mir deutlich mehr Spannung und Romantik, mehr Knistern und Gänsehaut von dem zweiten Legacy-Band versprochen. Auch was den Aufbau des Plots angeht, kann J. R. Ward nicht gerade durch Originalität überzeugen: Melancholischer Einzelgänger verliebt sich in die Frau, die er beschützen soll, und sieht so endlich wieder Sinn in seinem Leben. Hmm. Alles schon mal da gewesen. 

Ich würde Tanz des Blutes als eher schwächeren Band des Black Dagger Universums einstufen. Das eigentliche Pärchen kam mir etwas zu kurz und die Geschichte um Mary und Rhage empfand ich als fast unerträglich kitschig. So richtig ist der Funke dieses Mal nicht übergesprungen und ich hatte mir nach Kuss des Blutes doch etwas mehr von diesem Spin-Off - oder was auch immer es sein soll - versprochen. 




~*~ Heyne ~*~ 544 Seiten  ~*~ ISBN: 978-3-453-31851-9  ~*~ 9,99€ ~*~ Taschenbuch ~*~ Aus dem Amerikanischen von Corinna Vierkant-Enßlin  ~*~ 10. Juli 2017 ~*~

Dienstag, 25. Juli 2017

HERRIN DER DÄMMERUNG ~ DARK HUNTER (18) - Sherrilyn Kenyon

Quelle Blanvalet


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~*~*~*~*~*~*~*~ MEINE MEINUNG ~*~*~*~*~*~*~*~

"Cratus hat stets unbarmherzig für die alten Götter gekämpft, die ihn geschaffen haben – bis er alles aufgab und ins selbst gewählte Exil ging. Delphine dagegen hat die letzte Ewigkeit damit verbracht, die Menschheit vor uralten Feinden zu beschützen, die es auf deren Träume abgesehen haben. Doch ihre Gegner werden immer stärker, und Delphines Verbündete haben sich von ihr abgewandt. Nun liegen all ihre Hoffnungen auf Cratus und seinen überragenden Fähigkeiten – aber Cratus hat sich geschworen, nie wieder in einen Kampf zu ziehen …"
(Quelle Blanvalet)

~*~*~*~*~*~*~*~ MEINE MEINUNG ~*~*~*~*~*~*~*~
 
 
Cratus - später nur noch Jericho genannt - wurde vor langer Zeit von Zeus in die Welt der Menschen geschickt, als Strafe für seine Vergehen. In seinem Fall hat schon eine Befehlsverweigerung ausgereicht, um den Zorn des Zeus auf sich zu ziehen. Cratus jedoch ist nicht gewillt, diese Bestrafung einfach so über sich ergehen zu lassen, er ist auf Rache aus. Zu lange hat er Qualen und Demütigungen über sich ergehen lassen, zu lange schon sitzt er in seinem Exil fest. Er ist einer dieser männlichen Protagonisten, denen in der Vergangenheit nichts Gutes widerfahren ist. Weder seine Kindheit noch sein späteres Leben waren erfreulich und so wurde er zu einem rachsüchtigen, pessimistischen, reizbaren Mann, der - wie könnte es anders sein - nur durch eine Frau seine weiche Seite kennenlernt. 

Die Frau ist in diesem Fall die Traumgöttin Delphine, die Cratus nicht zufällig über den Weg läuft. Zeus hat sie beauftragt, Cratus um den kleinen Finger zu wickeln und besänftigen, und da sie selbst nicht weiß, was wirkliche Emotionen sind, verspürt sie dabei auch kein schlechtes Gewissen. Bis, ja bis sie Cratus kennenlernt. Sie ist eine taffe Kämpferin, deren äußere zarte Hülle trügt, aber in Cratus Gegenwart zeigt auch sie ihre weiche Seite. Ein Pärchen, das wie für einander geschaffen ist und einige knisternde Momente verspricht.

Die Geschichte von Cratus und Delphine hat mich fasziniert, weil der Gegner in diesem Band nicht unbedingt eine bösartige Figur ist, sondern es sind vielmehr Cratus verletzte Gefühle und seine Vorurteile, die der Liebesgeschichte im Weg stehen. Cratus hat früher für die Götter gekämpft, doch seit seiner Verbannung hat er de Glauben in sie verloren. Er hält sie für egoistisch und gierig und für verlogen und möchte nichts mehr mit ihnen und ihrer Art zu leben zu tun haben. Delphine dagegen versucht ihn davon zu überzeugen, dass nicht alle Götter so sind. Und auch nicht alle Menschen. Was irgendwie absurd ist, wo sie doch eigentlich für den Gott arbeitet, der Cratus erst ins Exil geschickt hat. Ihr seht also, da steckt viel Konfliktpotenzial drin. Und das wiederum führt zu den besten, explosivsten Liebesgeschichten, wie ich finde.

Herrin der Dämmerung ist wieder ganz ander als der Vorgängerband, in dem es um eine der gemeinsten Figuren aus dem Dark Hunter Universum ging - Stryker - und auch ganz anders als der Doppelband davor, der die Geschichte von Acheron erzählt hat. Es hat mir durchaus gefallen, aber im Vergleich zu Gebieterin der Schatten (17) und Prinz der Ewigkeit (15) / Königin der Dunkelheit (16) war es fast ein bisschen ... langweilig ist das falsche Wort, das war es nicht, aber es war irgendwie so ... normal? Ja, normal ist eine treffende Beschreibung. Nach den Geschichten von Stryker und Acheron sind meine Ansprüche an die Serie wieder gewachsen und Herrin der Dämmerung fehlt einfach das gewiss Etwas, das die Bände davor mitgebracht haben. 

Trotzdem, Herrin der Dämmerung hat mich gut unterhalten, die Geschichte von Cratus und Delphine hat mir gefallen und auch das Wiedersehen mit altbekannten Figuren war schön. Seit einiger Zeit macht es mir wieder richtig Spaß in die Welt der Dark Hunter (und auch der Dream Hunter) einzutauchen und ich freue mich schon auf den nächsten Band. 




~*~ Blanvalet ~*~ 320 Seiten ~*~ ISBN: 978-3-7341-0214-1 ~*~ Taschenbuch ~*~ 9,99€ ~*~Aus dem Amerikanischen von Larissa Rabe ~*~ 17. Juli 2017 ~*~ 

Sonntag, 23. Juli 2017

BIS DU ALLES VERLIERST - Adele Parks

Quelle HarperCollins


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~*~*~*~*~*~*~*~ MEINE MEINUNG ~*~*~*~*~*~*~*~


Eines Tages steht ein Mann vor Alisons Tür, der eine schreckliche Behauptung aufstellt. Nämlich, dass ihre heißgeliebte Tochter Katherine gar nicht ihre Tochter ist. Sondern seine. Und seine Tochter Olivia ist eigentlich ihre. Vor 15 Jahren wurden die Babys im Krankenhaus vertauscht und nicht nur das: herausgekommen ist es nur, weil Olivias Mutter an einem seltenen Krebs auslösenden Gendefekt gestorben ist und Olivia sich daraufhin testen lassen wollte. Mit dem Ergebnis, dass sie nicht nur das Gen nicht hat, sondern dass sie überhaupt nicht mit den Trudys verwandt ist. Dafür könnte Katherine das tödliche Gen geerbt haben. 

"Ich habe eine Mauer errichtet. Sie ist dick und aus Backstein. Unglaublich hoch und undurchdringlich. So hoch wie ein Wolkenkratzer, so breit wie mehrere Autos. Dahinter sind Gedanken daran, was sein könnte."
(Seite 382)

Als ich im Klappentext gelesen habe, dass Katherine "wahres Unheil" droht, bin ich von einem Verbrechen ausgegangen. Nicht von einer potenziell tödlichen Erbkranktheit, bei der die Chancen 50/50 stehen, dass sie sie geerbt hat. Doch die ersten 50 Seiten vergehen ereignislos. Dann 100. 150. 200. Ein ganz kurzes Aufflackern, die Andeutung einer Ahnung im Nebensatz. Haben die Trudys vielleicht nicht die Wahrheit gesagt? Doch dann geht der Trott weiter. 250 Seiten und nichts ist passiert. Also nichts, das aus diesem Buch einen Thriller macht, bislang ist es nur ein Familiendrama. Und ein langweiliges noch dazu. Aber vielleicht ändert sich das ja noch? Nein, aus 250 Seiten werden 300, dann 350. Irgendwann ist es vorbei. Und dabei ist es nicht nur langweilig, es ist zwischendurch auch furchtbar aufgeblasen geschrieben. Die tapfere Sonne als glühender Liebhaber? Also bitte.

"Die tapfere Herbstsonne scheint schwach, aber trotzig und schickt mir etwas Wärme durch die Strumpfhose, haucht ihren Atem auf meine Beine, wie ein glühender Liebhaber es tun würde."
(Seite 200)

Im Vordergrund der Geschichte steht Alison, die Mutter von Katherine beziehungsweise ja eigentlich von Olivia, und eigentlich geht es nur darum, wie diese Frau, die ihr Kind abgöttisch liebt, versucht damit klar zu kommen, dass sie gar nicht ihr eigenes Kind großgezogen hat. Es wird immer wieder betont wie sehr Alison Katherine liebt und wie perfekt die Tochter ist und dass Alison nichts anderes will, als Mutter zu sein. Eine klassische Helikoptermutter. Und eigentlich war ja ihr ganzes Erwachsenenleben völlig perfekt, wie aus dem Bilderbuch. Für meinen Geschmack war das viel zu übertrieben dargestellt, was vermutlich Teil von Alisons extrem nervtödenem Charakter ist. Sie ist eine furchtbar unsympathische Ich-Erzählerin, die mir mit jeder Seite mehr auf die Nerven ging.

Im Laufe des Verarbeitungsprozesses entzweit sie sich allmählich mit ihrem Lebenspartner Jeff, dafür kommt sie dem Vater des anderen Mädchens - Tom - immer näher. Natürlich rein platonisch. Zunächst. Und sie versucht damit zurechtzukommen, dass Olivia nichts mit ihr zu tun haben will, während Katherine vielleicht schon bald an einer potenziell tödlichen Erbkrankheit sterben wird. Wobei, so richtig um Olivia bemühen tut sie sich eh nicht, als wäre sie kein bisschen neugierig auf ihre biologische Tochter. Ach ja und dann gibt es immer wieder Sprünge in Alisons Vergangenheit, in denen nur erzählt wird, dass ihre Kindheit nicht so perfekt war wie Katherines. Traurig, wenn man sich darauf einlässt, ja., ber was zum Teufel sollte das mit Peter? Der Strang läuft ins Leere. Was an all dem jetzt ein Thriller sein soll, weiß ich auch nicht. Es ist ein übertrieben dramatisches, kitschiges, langweiliges Familiendrama, in dessen Fokus eine völlig überzogen dargestellte Übermutter steht, die mich als Leserin in den Wahnsinn getrieben hat.

"Ich könnte ihm zu nahe kommen, weil er Katherine so ähnlich ist. [...] Es fällt mir schwer, die beiden strikt auseinanderzuhalten. Die beiden sind untrennbar miteinander verwoben. Ich vertraue ihm, weil ich ihr vertraue. Ich halte ihn für liebenswert, weil ich weiß, dass sie es ist."
(Seite 314)

Ich habe in letzter Zeit viele langweilige Thriller gelesen und ich habe mich oft gefragt, womit diese Geschichten die Bezeichnung Thriller überhaut verdient haben. Bei Bis du alles verlierst fühle ich mich aber komplett veräppelt. Dieser reißerische Titel, das Genre typische Cover, der Klappentext. Und dann bekommt man die tragischen Probleme einer reichen Hausfrau und Mutter vorgesetzt? Was soll das? Bis du alles verlierst als Thriller zu bezeichnen ist, als würde man auf eine Dose Rollmöpse Schokolade schreiben. Warum ich das Buch zuende gelesen habe? Weil ich wissen wollte, ob nicht doch noch ein Grund dafür kommt, dass sich diese Geschichte Thriller nennen darf. Ab Seite 380 passiert tatsächlich endlich etwas, aber was das ist, habe ich schon nach 200 Seiten gewusst. Also war es eigentlich keine Überraschung und was folgt ist lediglich eine mögliche Konsequenz aus dem vorangegangen Drama. Wer beide Augen zukneift und viel guten Willen mitbringt, kann vielleicht behaupten, dass ab Seite 380 so etwas wie eine Thrillerhandlung einsetzt. Aber ich bin nicht bereit, auch nur ein Auge zuzukneifen und sage daher: Nein, dieses Buch ist auf keiner einzigen Seite ein Thriller.





~*~ HarperCollins ~*~ 450 Seiten ~*~ ISBN: 9783959671118 ~*~ Klappbroschur ~*~ 14,00€ ~*~ ~*~ Ins Deutsche von  Birgit Salzmann ~*~ 10. Juli 2017 ~*~

Freitag, 21. Juli 2017

ROCK MY DREAMS ~ THE LAST ONES TO KNOW (4) - Jamie Shaw

Quelle Blanvalet


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~*~*~*~*~*~*~*~ MEINE MEINUNG ~*~*~*~*~*~*~*~

 
Da ist er nun, Rock my Dreams, der vierte und vermutlich letzte Band der neuen Rockstar-Reihe The Last Ones to Know. Hach, nach meinen anfänglichen Startschwierigkeiten mit Bands 1 wünsche ich mir nun, es wäre noch nicht zuende und Jamie Shaw würde irgendwie irgendwann einen Band 5 aus dem Ärmel schütteln. 

In diesem letzten Band geht es um Mike, den Drummer der Band The Last Ones to Know. Ich habe mich lange auf seine Geschichte gefreut, weil er mir von allen Bandmitgliedern am bodenständigsten und sympathischsten erschien. Er war irgendwie die treue Seele der Band, ohne Starallüren oder Sonstiges. Eben der typische Good Guy. Ich muss aber sagen, dass Jamie Shaw es hier mit dem Good-Guy-Image ein bisschen übertrieben hat und Mike schon fast als Übermensch wegkommt. Ich mag die Figur noch immer, aber zwischendurch wurde sie mir einfach zu überspitzt dargestellt und ich habe das Bodenständige etwas vermisst. 

Doch zum Glück ist da noch sein weibliches Gegenstück Hailey. Sie ist das typische Mädchen vom Land und viel zu unschuldig für diese Welt. Da sie selbst nicht viel Geld hat, lässt sie sich ihr Studium von ihrem Onkel finanzieren. Was an sich ganz gut funktioniert, wäre da nich ihre intrigante, unausstehliche Cousine Dancia, die sie regelmäßig mit dieser Tatsache erpresst. Hailey war mir sehr sympathisch und auch wenn ich sie nicht so spannend fand wie Kit, hat sie mir als Protagonistin sehr gut gefallen. 

Rock my Dreams ist wieder eine tolle Geschichte fürs Herz und ich liebe diese ausgewogene Mischung aus Musik und Romantik. Die Serie hat sich langsam in mein Herz geschlichen, aber jetzt wünsche ich mir, dass sie noch nicht vorbei ist. Ich würde so gerne mehr aus dem Leben der Band und ihrer Freundinnen erfahren... Wer weiß, vielleicht überrascht Jamie Shaw uns ja und wenn nicht, dann lese ich eben alle vier Bände noch einmal. 




~*~ Blanvalet ~*~ 480 Seiten ~*~ ISBN: 978-3-7341-0555-5 ~*~ Paperback ~*~ 12,99€ ~*~ Aus dem Amerikanischen von Veronika Dünninger ~*~ 17. JUli 2017 ~*~ 

Mittwoch, 19. Juli 2017

DAS FRIEDMANN-HAUS - Peter Martin

Quelle Lübbe
 
 
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 ~*~*~*~*~*~*~*~ MEINE MEINUNG ~*~*~*~*~*~*~*~



Jan ist ein Berliner Szenejournalist und Blogger und als er von dem Friedmannhaus erfährt, ist er nicht nur beruflich, sondern auch privat fasziniert. Innerhalb kürzester Zeit sind dort drei Menschen verschwunden: der Hausmeister Carl Kowalski, die Unternehmerin Bianca Meier und die BWL-Studentin Lea Daniels. Sie haben keine Spur hinterlassen, haben sich von jetzt auf gleich quasi in Luft aufgelöst. Sind sie einem Verbrechen zum Opfer gefallen? Oder steckt etwas anderes, Übernatürliches dahinter? Genau dem will Jan auf die Spur gehen und zieht in Leas ehemalige Wohnung im Friedmannhaus ein. 

"Ihr verschwendet eure Zeit mit euren Hanys, checkt sinnlos Mails und tippt überflüssige Posts in eure Computer. Das normale Leben. Aber bekommt ihr überhaupt noch mit, was um euch herum passiert? Was wisst ihr über die Menschen, mit denen ihr zusammenlebt?"
(Position 105 von 3235)

Die Geschichte wird auf zwei verschiedene Arten erzählt. Da ist einmal der personale Erzähler Jan, den wir bei seiner Arbeit begleiten und durch dessen Recherchen wir mehr über das Friedmannhaus erfahren. Er ist ein recht analytischer und ruhiger Mensch, der emotionale Aspekt bleibt leider ein wenig auf der Strecke. Ich konnte ihn als Leser bei dem beobachten, was er tat, aber nicht mit ihm fühlen und in seine Gefühlswelt eintauchen. Ein bisschen mehr über seine Gedanken erfährt man in der zweiten Erzählart, bei der es sich im Bloggeinträge von Jan handelt. Zudem erfahren wir im Prolog, was mit Carl Kowalski passiert, sodass wir Leser Jan gegenüber einen gewissen Wissensvorsprung haben. Eine gut gelungene Kombination, für meinen Geschmack könnten es sogar noch mehr Bloggeinträge sein.

"Als würde eine unsichtbare Kraft ihn in der Mitte auseinanderreißen! Die Haut begann zu brennen, die Haare auf dem Kopf, Brust und Rücken fühlten sich an wie Nadelns in seinem Fleisch. [...] Licht, auf einmal überall quälend helles Licht. [...] Als er die Lider öffnete, blickte er direkt in einen alles überstrahlenden Stern. Die Hölle? Der Himmel?"
(Position 97-98 von 3235)

Bei seinen Recherchen kommt Jan unvermeidlich in Kontakt mit den anderen Bewohnern des Friedmannhauses. Was haben sie gesehen, was wissen sie, was erzählt man sich über das Haus, was haben sie dort schon erlebt. Allerdings begegnet Jan dort ahuptsächlich ziemlich durchgeknallten Gestalten, was ab einem gewissen Punkt etwas unglaubwürdig wurde. Lebt in diesem Haus wirklich kein normaler Mensch, abgesehen von Jan? Andererseits treffen wir durchaus auch sympathische Figuren in dieser Geschichte, wie den stotternden, Actionfilme liebenden Ivo, oder Jans andere Freunde Nadja und Henning.

Das wirklich Reizvolle an Das Friedmann-Haus war jedoch die ewige Frage, die sich sowohl Jan wie auch ich die ganze Zeit über gestellt haben: sind die drei Verschwunden einem Verbrechen zum Opfer gefallen oder spukt es in dem alten Haus? Haben wir es mit einem Irren oder mit einem Geist zu tun? Ist das Verschwinden der drei Leute rational oder nur übernantürlich erklärbar? Diese ständige Ungewissheit, ob das Knarzen nun einfach Geräusche eines alten Hauses oder doch etwas anderes ist, hat für einen großartigen Nervenkitzel gesorgt. In seinen Blogbeiträgen stellt Jan selbst Theorien auf, die immer gewagter werden, angefangen bei Schwarzen Löcher über eine Verschwörung des Staates bis hin zu Dämonen. Doch was ist wohl wahrscheinlicher und was trifft letztendlich zu? 

Das Friedmann-Haus hätte für meine Geschmack noch deutlich gruseliger sein können, aber es hat mich gut unterhalten, und das war mir bei diesem Titel die Hauptsache. 




~*~ be by Lübbe ~*~ 314 Seiten ~*~ ISBN: 978-3-7325-2680-2 ~*~ eBook ~*~ 6,99€ ~*~ 01. April 2017 ~*~