Samstag, 25. Februar 2012

WEISSE KRÄHE - Marcus Sedgwick


"Um zu belegen, dass nicht alle Krähen schwarz sind, muss man nicht beweisen, dass keine Krähe schwarz ist. Es reicht, zu zeigen, dass eine einzige Krähe weiß ist..."

Die junge Rebecca zieht eines Sommers mit ihrem Vater in das kleine Winterford an der Küste. Nach einem tragischen Vorfall bei seinem letzten Einsatz, braucht ihr Vater eine Auszeit von seinem Polizistenberuf. Rebecca ist davon alles andere als begeistert, schließlich muss sie von ihren Freunden und ihrem Freund Adam weg.

In Winterford gibt es nicht viel, das Meer frisst die Küste langsam aber sicher auf, vieles ist verfallen. Da ist nur Ferelith, dieses seltsame, unheimliche Mädchen, das sich Rebecca aufdrängt und ihre neue beste Freundin spielt. Niemand ahnt, wer dieses Mädchen wirklich ist.  

Gleichzeitig lesen wir die Tagebucheinträge eines Pfarrers, der vor 200 Jahren gelebt hat. In dem unbändigen Verlangen, herauszufinden, ob es den Himmel wirklich gibt, lässt er sich auf den zwielichtigen französischen Dokter Borreaux ein. In einem alten Herrenhaus in Winterford richtet er einen Raum her und führt ein mysteriöses Ritual durch. Ein Freiwilliger wird an einen Stuhl gekettet, vor ihm ein Kerzenhalter mir fünf Kerzen. Wenn die letzte erloschen ist, soll ihm etwas erscheinen. Ein Engel oder ein Dämon.
Zumindest ist es das, was der Doktor seinen Opfern erzählt. Denn niemand überlebt diese Rituale.

In ihrer Langeweile erforschen Rebecca und Ferelith das Örtchen und entdecken das alte Herrenhaus, verlassen und verstaubt. Ferelith weiß um den Mythos. Und um den Stuhl. In ihrem Wahnsinn kettet sie Rebecca daran, stellt einen Kerzenleuchter vor sie und verschwindet. Lässt Rebecca allein in der Dunkelheit… 

Weiße Krähe ist ein Thriller über Glaube, über den Mythos Himmel und Hölle und beschäftigt sich viel mit der Frage und dem Zweifel, ob es all dies wirklich gibt. Über das verzweifelte Bemühen zweier Männer, zu erfahren, ob sie existieren, ob es Engel und Dämonen gibt und was den Menschen nach dem Tod erwartet.

Die Geschichte hat eine sehr lange Vorlaufzeit und die Spannung lebt durch die Figur der Ferelith. Wahnsinnig und sprunghaft, bis zum Schluss weiß man nicht, was sie vorhat. Man ahnt nur, dass ihre Absichten alles andere als gut sind. Und was am Ende wirklich passiert, ist überraschend, erschreckend und verwirrend.


Weiße Krähe ist kein Thriller, der mit Spannung und Aktion überzeugt. Er wird vielmehr von einer nachdenklich, philisophisch-religiösen Note definiert und erzeugt keine direkte Gänsehaut, sondern einen leichten, nachdenklichen Schauer, wenn man die Gedankenspiele von Ferelith zulässt.

Man sollte vorsichtig sein mit seinen Erwartungen an dieses Buch. Unter Gothik Thriller habe ich etwas ganz anderes verstanden, als mir die Geschichte geboten hat und auch der Klappentext war irre führend. Dass es hauptsächlich um die Glaubensfrage geht, ahnt man vorher nicht. Aber wenn man es weiß und sich darauf einlässt, macht es Spaß.

 Sprachlich hätte ich es ab 12 Jahren eingeschätzt, von den Gedankenspielen her aber eher für Ältere.  
Ein riesiges Dankeschön an den dtv für dieses Leseexemplar!

~*~ dtv ~*~ 280 Seiten ~*~ ISBN:978-3423248846 ~*~ Taschenbuch ~*~ 12,99€ ~*~

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