Montag, 30. April 2012

MÉTO, DAS HAUS - Yves Grevet



Inhalt

64 Jungen leben in dem Haus, das von den Cäsaren geleitet wird. Sie wissen nicht, wer sie sind, woher sie kommen, wie sie eigentlich heißen. Ihnen wird eingebläut, dass ihr Leben vor dem Haus schlecht war und dass die Cäsaren und Soldaten sie gerettet haben. Aber ist das auch so?
Sie sind in vier Kategorien unterteilt: Himmelblau, Dunkelblau, Violett und Rot, wobei die ersteren die Jüngsten sind und die Roten die ältesten, die nicht mehr lange im Haus bleiben dürfen. Was danach geschieht, wissen sie nicht. Sie wissen nur, dass sie den Tag fürchten, an dem ihr rotes Bändchen reißt und ihr Bett zerbricht.
Das Abendessen wird streng bewacht, zwischen jedem Bissen müssen 50 Sekunden liegen, und ohne viel Wasser, ist es nicht herunterzubekommen. Wasser, das mit Schlafmittel versetzt ist. Der Unterricht ist noch strenger, die einzige Möglichkeit, Gefühle abzubauen, ist das Inch. Ein brutales Spiel, das an Fußball erinnert. Allerdings auf allen Vieren und geworfen wird mit dem Mund.
Méto, einer der älstesten Jungs, beginnt an all den Ritualen zu zweifel, als er sich mit seinem Freund Romu unterhält. Romu, der schon lange kein Roter mehr ist und im Kalten Raum lebt. An diesem Ort werden die Kinder für ihre Verfehlungen bestraft. 24 Stunden bei ca. 0°C, Einschlafen ist hier tödlich. Beim zweiten Mal sind es 48 Stunden, beim dritten Mal 72, usw.
Gemeinsam mit Romu, seinem besten Freund Claudius und einigen anderen planen die Roten und Violetten eine Rebellion gegen die Cäsaren. Sie wollen aus den grausamen Regeln und Gewohnheiten ausbrechen und nicht länger auf den gefürchteten Tag warten, an denen sie das Haus verlassen müssen. Langsam aber sicher gerät der Stein ins Rollen und schließlich kommt der Tag, an dem sie die Cäsaren überrumpeln.

Meine Meinung

Méto zeigt dem Leser eine grausame, dystopische Welt, deren Grausamkeit nicht durch Blutrünstigkeit und unverhohlener Wut entsteht, sondern durch roboterhafte Kinder, die scheinbar alles über sich ergehen lassen. Die sich ihrem Schicksal ergeben und es nicht wagen sich zu wehren, weil sie nicht wissen, ob draußen, außerhalb ihres Gefängnisses, nicht alles noch schlimmer ist.
Durch kurze, prägnante Sätze wird die immer stärker aufkommende Dynamik am Ende unterstützt, aber auch zu dem statischen Zustand der Kinder am Anfang passen die nüchternen Formulierungen und sachlich knappen Aussagen.
Die Figuren sind nicht immer leicht auseinander zu halten, ausgenommen von Méto haben alle anderen römisch klingende Namen: Crassus, Numerius, Oktavius, Claudius. Da so viele Jungen auftauchen, ist es manchmal schwierig, sie auseinander zu halten. Die Anspielung auf Romu(lus) und Remus versteht man nur, wenn man sich ein wenig in der römischen Geschichte auskennt und geht dann auch gleich ganz anders an die Figuren als Méto – nämlich mit deutlich mehr Misstrauen als er.
Das Worldbuilding, die Endzeitstimmung, das Mysterium des Hauses und der Insel gefallen mir. Die Sprache passt zur Geschichte, würde aber nach mehr Seiten (hier sind es ca. 217) ermüden durch ihre Nüchternheit und emotionslose Schilderung. Gerade weil aus der Ich-Perspektive erzählt wird. Die Figuren bleiben mir etwas zu blass und mir fehlt die Figur, mit der ich richtig sympathisieren kann. Bis jetzt sind alle mal mehr mal weniger liebenswürdig, sofern sie genug herausstechen, um sie zuordnen zu können.
Eine letzte Kritik ist der Preis, der für so ein kleines Büchlein doch recht happig ist. Bei der niedrigen Seitenzahl hätte es auch ein Taschenbuch für weniger Geld getan. Das ist eigentlich der einzige Punkt, der mich etwas zögern lässt, ob ich weiterlesen soll oder nicht, denn die Geschichte ist wirklich interessant, einfach mal etwas anderes, und das Ende lässt so viele Fragen offen, dass man eigentlich weiterlesen muss.

3 von 5 Punkten
Cover 0 Punkte, Sprache ½ Punkt, Figuren ½ Punkt, Idee 1 Punkt, Plot 1 Punkt

~*~ dtv ~*~ 217 Seiten ~*~ ISBN: 978-3423625142 ~*~ Gebunden ~*~ 14,95€ ~*~

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