Samstag, 20. April 2013

VERFLUCHT - Victoria Schwab

Quelle Heyne fliegt
 
 
"Der Wind auf dem Moor, er sing mit vor"
(Verflucht, Seite 94)

Inhalt

Das Dorf Near, veborgen im Moor, umgibt ein dunkles Geheimnis. Eine schaurige Legende, die wahrer ist, als die Dorfbewohner glauben wollen. Kein Wunder, dass sie, als nach und nach ihre Kinder entführt werden, lieber bei dem fremden Jungen suchen, anstatt sich der wahren Gefahr zu stellen. Einzig Lexi, die den Fremden mit den Ascheaugen selbst gesehen hat, glaubt an seine Unschuld.
 
Während die Dordbewohner - allen voran Lexis Onkel Otto - eine Hetzjagd auf den Fremden starten, beschließt Lexi, dem Jungen zu helfen. Sie hält das Märchen um die Hexe von Near nicht für so abwegig, wie es die Erwachsen tun, und gemeinsam begeben sie sich auf eine gefährliche Suche nach Wahrheit, Freundschaft und Liebe. Denn auch Cole ist nicht der, der er zu sein scheint...
 
Meine Meinung
 
Verflucht erzählt ein modernes Märchen um zwei Jugendliche, die als einzige bereit sind, die Wahrheit zu akzeptieren. Während die Erwachsenen Cole - so hat Lexi ihn aufgrund seiner Augenfarbe getauft - jagen und ihm das Verschwinden ihrer Kinder anhängen wollen, ahnt Lexi, wer oder was wirklich dahintersteckt. Die Mischung aus Schauergeschichte, Märchen und Kriminalroman ist spannend und fesselnd, und auch eine gehörige Portion Romantik darf nicht fehlen.
 
Das Setting ist der Geschichte angepasst, ein düsteres Moor voller Geheimnisse. Es wird keine Zeit genannt, zu der sich alles ereignet, ich würde es aber nicht in die heutige Zeit einordnen. Es wird viel auf Ettikette geachtet, Frauen sollten Kleider tragen und keine körperliche Arbeit verrichten. Lexi hat ihrem Onkel, dem Mann im Haus zu gehorchen, und darf nicht an den nächtlichen Suchen teilnehmen. Es wirkt wie ein Setting des neunzehnten Jahrhunderts und passt sehr gut zur Geschichte.
 
Lexi ist eine starke Protagonistin, die sich ihrem Onkel mit aller Macht widersetzt. Sie ist die eigentliche Herrin im Haus, seit ihr Vater verstorben ist. Ihre Mutter hat kaum noch wache Momente, meist lebt sie in den Tag hinein und ist nicht ansprechbar. Daher liegt es an Lexis, ihre kleine Schwester Wren zu erziehen und auf sie Acht zu geben. Wenn ihr Onkel außer Haus ist, kümmert sie sich auch ums Holzhacken und geht auf die Jagd. Verboten setzt sie sich entgegen, sie liebt das Jagdmesser ihres Vaters und steigt aus dem Fenster, wenn man sie einzusperren versucht. Ihre Zuneigung zu Cole und ihr Wille zur Gerechtigkeit ist stärker als die Furcht vor ihrem Onkel.
 
Der Plot ist spannend und überzeugt durch die Mischung aus düsterem Märchen und kniffligem Kriminalfall. Obwohl der Leser schnell ahnt, wer hinter den entführten Kindern steckt - der englische Originaltitel The Near Witch verrät es bereits von Anfang an - ist die Geschichte fesselnd. Es ist nicht die Aufklärung der verschwundenen Kinder, sondern vielmehr Lexis und Coles Bemühen, sie zu finden und zu befreien, ihre Flucht vor den Dorfbewohnern und die stete Hoffnung, dass Onkel Otto seinen Fehler einsieht.
 
Der Anfang ist etwas zäh und zunächst wirken die Figuren ein wenig blass, doch das ändert sich schnell und spätestens ab der Hälfte wollte ich Verflucht nicht mehr aus der Hand legen. Ein herrlich schauriges, düsteres Märchen.
 
4 von 5 Punkten
 
Cover 1 Punkt, Idee 1 Punkt, Plot 1 Punkt, Figuren 1/2 Punkt, Sprache 1/2 Punkt
 
~*~ Heyne fliegt ~*~ 316 Seiten ~*~ ISBN: 978-3-453-53431-5 ~*~ Broschiert ~*~ 12,99€ ~*~ 9. April 2013 ~*~

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