Donnerstag, 18. Juli 2013

DEIN BLICK SO KALT - Inge Löhnig

Quelle Lovelybooks


Inhalt

Die 16-jährige Lou hat einen Traum: sie will Grafikdesingerin werden und setzt sich dafür über alle Regeln ihrer Eltern hinweg. Sie nimmt ein Bewerbungsgespräch in München an und nutzt dabei ihre beste Freundin als Alibi. Sie weigert sich, andere Bewerbungen als die für ihren Traumjob abzuschicken und kämpft bis zur letzten Sekunde, um die Praktikumsstelle in München zu bekommen. Ihr Traum scheint sich zu erfüllen. 

Doch dann kommt eine Ernüchterung nach der anderen und zu allem Überfluss erhält sie plötzlich mysteriöse Emails. Wer ist der Kerl nur und was will er von ihr?

Meine Meinung

Allgemein

Dein Blick so kalt ist, soweit ich mich erinnern kann, mein erster Band aus der Thriller X Reihe des Arena Verlages. Obwohl mich die schreiend gelben Do not cross - Bänder schon immer fasziniert hatten, bin ich zuvor noch nie dazu gekommen, einen dieser Thriller zu lesen. Im Rahmen einer Lovelybooks-Leserunde hatte ich nun die Möglichkeit. 

Figuren

Ich muss gestehen, dass ich im Allgemeinen große Schwierigkeiten mit Dein Blick so kalt hatte. Einer der Hauptgründe ist aber wohl Protagonistin Lou. Anfangs war ich noch gewillt, ihre Stimmungsschwankungen ihren Teenagerhormonen zuzuschreiben, immerhin ist sie erst sechzehn (fast siebzehn, wie sie immer wieder betont und was irgendwie etwas sehr kindliches an sich hat). Spätestens nach dem ersten Drittel des Buches ging mir Lou nur noch auf die Nerven und ich habe ihr ihre Gefühle und Aussagen nicht mehr geglaubt. Wer innerhalb eines (kurzen) Kapitels gefühlt zwanzig Mal von "Ich bilde mir das nur ein", zu "Ich habe solche Angst", zu "Meine Eltern werden mich auslachen", zu "Ich werde das durchstehen", zu "Das ist sicher nur ein Scherz" zu "Oh mein Gott mir könnte sonst was passieren" zu "Ach der war es bestimmt nicht" zu "Oh mein Gott, es könnte X sein!" etc springt, den kann ich nach einer Weile einfach nicht mehr ernst nehmen. Sie hat so viele Sinnenswandlungen und Gefühlsschwankungen innerhalb eines Absatzes, dass kaum die Möglichkeit besteht, eines dieser Gefühle als Leser zu erfahren. 
Das einzige, was beständig ist, ist Lous erschreckende Oberflächlichkeit. Menschen, die sie in München das erste Mal trifft, steckt sie sofort in eine Schublade. So nennt sie den Sohn des Hausmeisters zum Beispiel nur noch "Grottenolm" und einen anderen Mitbewohner "Prinzipientreiter". Auch von "Sylke mit Üps" hat sie sofort ein Bild und ist nicht gewillt, diesen ersten Eindruck eventuell zu revidieren, indem sie sich mit den Menschen unterhält (der Fall Sylke mag da vielleicht eine Ausnahme sein). Lediglich ihrem Onkel Achim gibt sie die Chance eines zweiten Eindrucks. 
Kurz gesagt: Lou ist beim Lesen nicht lebendig geworden und wirkte mir viel zu unecht, als dass ich sie als Figur hätte ernst nehmen können. Das bisschen, was ich ihr glaube, nämlich ihre Oberflächlichkeit, macht sie alles andere als sympathisch. Wodurch natürlich eine Menge Thriller-Feeling abhanden gekommen ist.

Die anderen Figuren waren mir alle zu einseitig beschrieben. Julian, der sexistische, perverse Chef. Sylke, die aufgetakelte Konkurrentin, die bereit ist, sich hochzuschlafen. Lysander, der verständnisvolle Freund. Aber keine dieser Figuren weist wirklich Tiefe oder Mehrschichtigkeit auf. Zumindest kam es mir beim Lesen so vor. 
Der Täter hat mich enttäuscht, aber dazu später mehr. 

Plot

Im Plot setzen sich meine Probleme fort. Leider ist es nicht nur so, dass ich Lou hochgradig nervtötend finde (und das sage ich wirklich höchst selten über eine Figur), das erste Drittel des Plots scheint sich auch nur um ihren Praktikumswunsch zu drehen. Zwar taucht der Täter tatsächlich einmal in einem Minikapitel auf und es wird auch ein Zeitungsartikel über einen vergangenen Mord eingestreut, aber alles in allem geht es im ersten Drittel nur um Lou, die sich ihren Praktikumsplatz erkämpft und danach tagaus tagein von ihren Problemen berichtet - oder auch nicht. Denn mal ist der Chef "widerlich", mal verhält er sich "vorbildlich", dann ist es gleich wieder anders. Für mich zeichnet sich ein guter Plot auch dadurch aus, dass die Figuren Zeit haben, sich zu entwickeln. Die ständigen Fort- und Rückschritte zählen für mich aber nicht dazu sondern zeigen eher, wie es nicht gemacht werden sollte. 

Die Kapitel, die sich um Lous Praktikumsstelle drehen, sind sehr statisch. Es ändert sich eigentlich nichts. Sylke mit Üps bleibt weiterhin die verbissene Konkurrentin und Julian bleibt der sexistische Chef. Ich hatte gehofft, dass sich hier im Laufe der Geschichte etwas ändert. 

Die Minikapitel, in denen der Täter erzählt, sind in Ordnung, aber nicht übermäßig spannend. Er taucht immer erst dann auf, wenn bereits etwas passiert ist und reflektiert darüber. Da weiß der Leser aber bereits, wie Lou reagiert hat und wie es ausgegangen ist. Meiner Meinung nach wäre es spannender gewesen, den Täter bei seinen Vorbereitungen zu zeigen und so ein wenig "Suspense" zu schaffen. Was ich eben erwähnt habe, dass er mich enttäuscht hat, kann ich nicht genau erklären, ohne zu spoilern. Es hat etwas damit zu tun, wer es im Endeffekt war. In der Leserunde könnt ihr in meinem Kommentar nachlesen, was ich damit meine. Nur wie gesagt, Achtung Spoiler: *KLICK* (Der erste Beitrag unter "Leseabschnitt 6", zweiter Absatz)

Was mir gänzlich gefehlt hat, ist diese typische Thrilleratmosphäre, die für Nervenkitzel und Spannung sorgt und die den Leser dazu bringt, die Nacht durchzulesen. Ein Grund dafür ist zum Beispiel, dass gerade die Kapitel, die spannend und emotional und auch unheimlich gewesen wären, nur in einem Nebensatz nacherzählt werden. An einer Stelle kommt Lou abends heim, geht ins Bett und am nächsten Morgen erinnert sie sich, dass sie in der Nacht beinahe durchgedreht wäre. Davon bekommt der Leser aber nichts mit und das hindert mich daran, eine Verbindung zu meinen Figuren aufzubauen. Nacherzählen ist meistens nicht spannend, man weiß schließlich, wie es ausgegangen ist. Mit diesem Wort gehe ich sehr sehr vorsichtig um, aber ich muss leider sagen, dass ich die Geschichte durchweg langweilig fand. 

Alles in allem liest es sich eher wie die Geschichte eines naiven, jungen Mädchens, das während eines hart erkämpften Praktikums lernt, wie hart das Leben in der Großstadt sein kann, vermischt mit einigen wenigen Thrillerelementen. Was an sich nicht schlecht es, wenn es auch so ausgeschrieben ist. An ein Buch, das sich selbst Thriller nennt, habe ich aber einfach andere und höhere Ansprüche. 

Sprache

Da die Geschichte - ich sage bewusst nicht Thriller, weil es für mich einfach keiner ist - in München angesiedelt ist, sind auch einige süddeutsche Begriffe zu finden. So heißt es hier zum Beispiel "Knödel im Hals" (statt "Kloß") und "Breze" (statt "Brezel"). In regionalen Krimis gefällt mir das eigentlich sehr gut. Aber: nur, wenn sie humorvoll sind. Ich mag den bayerischen Dialekt sehr gerne, aber für mich passt er nicht in eine Geschichte, die ein spannender Thriller sein will. Doch darüber kann man sich streiten. 

Was mich viel mehr gestört hat, ist die Umgangssprache. Obwohl im personalen Erzähler geschrieben, also in der dritten Person, kommt es mir sehr kolloquial vor. Bei einem Ich-Erzähler mag das manchmal sogar sehr effektiv sein, bei einem personalen Erzähler erwarte ich aber eine andere Sprache. Zum Beispiel finde ich, dass ein "Assi" (statt "Assistent") nicht in den Fließtext gehört. Die Figuren können gerne so reden, in Dialogen habe ich nichts dagegen (das sagt sogar ziemlich viel über sie aus), aber im Fließtext haben solch umgangssprachliche Abkürzungen für mich einfach nichts zu suchen. 

Ich hatte so meine Mühe, mehrere Kapitel am Stück zu lesen und musste aufpassen, dass ich nicht anfange, quer zu lesen. Für mich liest es sich sehr holprig und teilweise unschön. Es ist ein Schreibstil, der mir nicht gefällt und der mir - zusätzlich zu den anderen Punkten - den Spaß an der Geschichte genommen hat. Manche mögen diesen lockeren, jugendlichen, umgangssprachlichen Stil, ich mag ihn nicht. 

Fazit

Konnte mich leider nicht überzeugen. Für einen Stalking-/Entführungsthriller setzt die eigentliche Thrillerhandlung viel zu spät ein, Lou als Figur wirkt unglaubwürdig und sprachlich finde ich es arg holprig, selbst für einen Jugendthriller.

1/2 von 5 Punkten

Cover 1/2 Punkt, Idee 0 Punkte, Plot 0 Punkte, Figuren 0 Punkte, Sprache 0 Punkte

~*~ Arena ~*~ 367 Seiten ~*~ ISBN: 978-3-401-06762-9 ~*~ Broschiert ~*~ 12,99€ ~*~ Januar 2013 ~*~ 

1 Kommentar:

  1. Ist mal interessant Rezis von schlechteren Büchern zu lesen :)

    Dein Blog gefällt mir, ich würde mich bei einem Gegenbesuch freuen :)

    LG Laura
    http://buechernixe.blogspot.com

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