Montag, 19. August 2013

DU.WIRST.VERGESSEN - Suzanne Young

 
Quelle Blanvalet
 

 
 
Was ist noch von Bedeutung, wenn es dich jeden Tag treffen könnte? Wenn du eines Morgen aufwachst und feststellst, dass du infiziert bist? Dass die dunkle Krankheit dich angesteckt hat und du dich schon sehr bald umbringen wirst?
 
Für Sloane und James zählt nur eins: ihre Liebe zu einander. Trotz allem, was um sie herum passiert, wollen sie stark bleiben. Sie wollen um jeden Preis verhindern, sich anzustecken und ins "Programm" geschickt zu werden. Sie sagen, es sei ihre Heilung. Doch wie kann man wollen, dass einem sämtliche Erinnerungen gelöscht werden. Sloane und James würden lieber sterben als leer und hohl zu sein. Doch dann wird James wirklich krank und das "Programm" holt ihn. Was soll Sloane tun? Wie soll sie ohne ihn durchhalten?
 

 



 

 
 
 
Selten hat mich ein Buch so verstört wie Du.Wirst.Vergessen. Selten musste ich auf den ersten 80 Seiten so sehr mit den Tränen kämpfen wie bei Du.Wirst.Vergessen. Ich war hin und her gerissen zwischen Weiterlesen, weil ich wissen musste, wie es weiter geht, und einer Pause, um diese Welt einen Moment lang zu verlassen und diesen alles erdrückenden Kummer hinter mir zu lassen.
 

 
Protagonistin und Ich-Erzählerin ist die siebzehnjährige Sloane. Sie musste bereits mit ansehen, wie die Krankheit ihr ihren Bruder genommen hat und nach und nach verliert sie alles, was ihr wichtig ist. Ihre beste Freundin Lacey, ihr bester Freund Miller, James... Entweder bringen sie sich um oder sie landen im "Programm" und sie weiß nicht, was schlimmer ist. Auf den ersten 100 Seiten spürt man Sloanes Trauer und Verzweiflung. Sie will stark sein und kämpfen, sie will um keinen Preis ins "Programm", doch gleichzeitig weiß sie, dass ihr das nicht gelingen wird. Es gab viele Momente, an denen ich sie schütteln wollte. Sloane ist unglaublich naiv. Sie denkt, sie wäre misstrauisch und vorsichtig, aber das ist sie nicht und man muss wahnsinnig viel Geduld mit ihr haben. In vielen ihren Handlungen zeigt sich, dass sie weit weniger mutig und rebellisch ist, als sie tut. Manchmal wirkt es sogar, als wolle sie vergessen. Sie hat nicht einen Versuch unternommen, Menschen wie Dr. Warren auszutricksen.
In der zweiten Hälfte des Bandes geht eine Veränderung mit ihr vor. Sie verliert ihre Verbitterung, bleibt aber weiterhin neugierig und stur. In manchen Momenten blitzt die alte Sloane durch, in anderen wirkt sie ausgeglichener und freundlicher.
 
Viele der Nebenfiguren kann ich nicht genau einschätzen. Realm wirkt nett, obwohl der Leser mehr weiß, als Sloane. Ich habe ihn ins Herz geschlossen, trotz allem, was er getan hat. Allerdings weiß ich nicht recht, was ich vom Epilog halten soll.
James ist mir da schon deutlich weniger sympathisch. Er ist romantisch, ja, aber er ist auch aufbrausend und egoistisch. Er ist ein Melancholiker und ein Rebell, eine Softie und ein Schläger. Er hat gute und weniger gute Seiten an sich. Meiner Meinung nach ist er aber etwas zu besitzergreifend und viel zu launisch.
Über manche Nebenfiguren wie Lacey, Roger oder Dr. Warren hätte ich gerne mehr erfahren und mir stellt sich die brennende Frage: Einzelband oder Auftakt? Denn es könnte beides sein.
 

 
Wie ich eben schon angesprochen habe, haben mich die ersten 80 bis 100 Seiten umgehauen. Sie waren sehr bedrückend, verstörend und emotional. Danach wurde es etwas ruhiger und einseitig. Wie schon erwähnt, gab es viele Momente, in denen ich Sloane schütteln wollte und ich konnte ihre Handlungen nicht immer nachvollziehen. Gerade im Mittelteil hätte ich mir mehr Widerstand und Spannung gewünscht. Erst gegen Ende wurde es wieder temporeicher, wenn auch nicht so, wie ich es von anderen Dystopien gewohnt bin.
 
Die Idee und die erschaffene Welt gefallen mir, ob Du.Wirst.Vergessen jedoch wirklich eine Dystopie ist, kann ich nicht sagen. Es gibt dystopische Elemente, wie etwa "Das Programm", ín das die Jugendlichen ohne ihre Einwilligung geschickt werden. Auf der anderen Seite hat "Das Programm" jedoch seine Daseinsberechtigung. Es ist der einzige Weg zu verhindern, dass die Jugendlichen sich umbringen. Über diese Epidemie erfährt man nur sehr wenig und ich hätte mir ein paar mehr Informationen gewünscht. Woher sie kommt, was sie ausgelöst hat. Natürlich ist es schrecklich für die Betroffenen, dass "Das Programm" ihnen alle Erinnerungen raubt, andererseits funktioniert ist und da es die Jugendlichen heilt, kann es kaum als Antagonist angesehen werden - auch wenn Sloane, James und die anderen das nicht so sehen. Erst gegen Ende wird klar, dass sich der Leser mit diesem Eindruck vielleicht getäuscht hat. Doch ob das nur ein Gefühl ist, oder ob sich daraus mehr entwickelt, erfahren wir erst, wenn es eine Fortsetzung gibt. Falls es eine gibt.
 
Was nicht immer nachvollziehbar war ist die Liebesbeziehung zwischen Sloane und James. Natürlich ist es in einer Welt, in der die Jugendlichen sterben wie die Fliegen, wichtig, etwas Stabiles im Leben zu haben. Etwas, das Halt gibt und Sicherheit schafft. Doch was genau ihre Beziehung von anderen unterscheidet und was sie so besonders macht, wird nicht klar. Die Tiefe ihrer Gefühle zu einander wirkt manchmal etwas kitschig und zu blumig. Dabei sind ihre Verlustängste durchaus nachvollziehbar.
 
 
Der Schreibstil hat mir ausgesprochen gut gefallen. Suzannes Young hat es geschafft, mich mitzureißen und Sloanes Gefühlswelt miterleben zu lassen. Trotz des teilweise eher seichten, ruhigen, melancholischen Plots, ist die Geschichte spannend und hat mich gefesselt. Es liest sich flüssig und man taucht regelrecht in Sloanes Gedanken ein.
 
 
 
 
Eine dystopische Geschichte der besonderen Art, die ein bedrückendes Thema anspricht und viel Herzschmerz bietet. Vielleicht etwas zu viel.
 
 

 
 
5 von 5 Punkten
 
Cover 1 Punkt, Idee 1 Punkt, Plot 1 Punkt, Figuren 1 Punkt, Sprache 1 Punkt
 
~*~ Blanvalet ~*~ 448 Seiten ~*~ ISBN: 978-3-442-26921-1~*~ Broschiert ~*~ 14,00€ ~*~ 19. August 2013 ~*~
 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen