Dienstag, 10. September 2013

LOCKWOOD & CO. ~ DIE SEUFZENDE WENDELTREPPE - Jonathan Stroud

Quelle cbj


Die Straßen des nächtlichen Londons sind schon lange nicht mehr sicher. Sobald die Sonne untergeht, wimmelt es in der Stadt vor Geistern. Sie sind nicht nur unheimlich, sondern auch gefährlich, der wer von ihnen berührt wird, bekommt die Geistersieche und stirbt.
Die junge Lucy Carlyle ist eine Geisterjägerin. Sie ist eine Hörerin und gehört zum Team von Anthony Lockwood. Mit ihrer kleinen Agentur spüren sie einfache Geister auf und bannen sie. Der ganz große Auftrag blieb bisher aus. Als einer ihrer Aufträge schief geht, stehen sie kurz vor dem Ruin - bis Mr. Fairfax ihnen ein Angebot unterbreitet, das sie nicht abschlagen können. Doch als sie das Haus betreten und die seufzende Treppe finden, wünschen sie sich, sie hätten es getan....
Nach Bartimäus, Drachenglut und Die Eisfestung entführt uns Jonathan Stroud nun in die Welt der Geister.
Protagonistin und Ich-Erzählerin ist die junge Lucy Carlyle. Sie ist ein ehrgeiziges Mädchen, das von Zuhause abgehauen ist und ihr Glück als Geisterjägerin versucht. Sie hat die seltene Gabe des Hörens, das heißt, sie kann eventuelle Botschaften der Geister verstehen und Gefahr wahrnehmen, bevor andere es tun. Nach einem plötzlichen vorzeitigen Ende ihrer Ausbildung ist sie auf der verzweifelten Suche nach einem neuen Job. Keine der großen Agenturen will sie haben, Lockwood & Co. ist ihre letzte Chance. Sie ist ein mutiges und cleveres Mädchen, das sich nicht mehr traut, sich auf seinen Instinkt zu verlassen. Sie hat schon viele schlimme Dinge mit Geistern erlebt, doch ihre Zusammenarbeit mit Lockwood bringt sie mehr als einmal in Lebensgefahr.
Anthony Lockwood ist ein seltsamer Junge. Würde nicht immer wieder erwähnt werden, dass er kaum älter als Lucy ist, hätte ich ihn für einen Erwachsenen gehalten. Er ist impulsiv, was seine Aufträge angeht, bleibt in Gefahrensituationen aber immer ruhig. Er versteht es, Menschen an der Nase herumzuführen und viele werfen ihm vor, seine Arbeit nicht ernst genug zu nehmen. Er lebt verschwenderisch und so passiert es, dass er nach einem verpatzten Auftrag kurz vor dem Ruin steht. Nicht selten trifft er Entscheidungen über die Köpfe seines Teams hinweg und bringt seine Kollegen damit in Gefahr. Manchmal hatte ich das Gefühl, einen jungen Sherlock Holmes vor mir zu haben, der zufällig auch noch Geister jagt. Sherlock Holmes trifft auf Ghost Buster, das kann nur etwas Gutes ergeben.
Die Geister in dieser Geschichte gefallen mir. Es gibt verschiedene Einstufungen. Typ Eins umfasst Schemen, also Geister, die zwar da sind, aber sonst nicht viel tun und leicht einzufangen bzw. unschädlich zu machen sind. Typ Zwei dagegen bezeichnet Poltergeister und andere gefährliche Unruhestifter. In beiden Kategorien gibt es verschiedene Formen mit verschiedenen Fähigkeiten. Ein Typ Drei wird ebenfalls erwähnt, taucht aber in Band 1 noch nicht auf. Auch Begriffe wie Ektoplasma tauchen in der Geschichte auf, Salz und Eisen hilft zur Abwehr. Vorgehensweisen und Begriffe, die man auch aus Ghost Busters und Supernatural kennt und die der Geschichte eine gewisse Vertrautheit verschaffen.
Die seufzende Wendeltreppe wird in mehrere Zeitebenen erzählt. Alles beginnt mit dem verpatzten Auftrag, der Lockwood & Co an den Rande des Ruins treibt, bevor Lucy erzählt, wie sie überhaupt zu der Agentur gekommen ist. Erst danach geht die Hauptgeschichte weiter und führt die Geisterjäger zu ihrem bisher schwierigsten Fall: die seufzende Treppe.
Die Geschichte wird rasant erzählt und bietet immer wieder schaurige Gruselelemente. Was wie eine humorvolle Ghost Buster Geschichte für junge Leser beginnt, entwickelt sich bald zu einer schaurig schönen Gruselgeschichte voller boshafter Geister. Die Verbindungen zwischen den Fällen gefallen mir ausgesprochen gut und obwohl das Ende nicht vorhersehbar ist, verknüpfen sich am Ende alle Stränge zu einem großen Ganzen. Und wie Lockwood zu dieser Auflösung kommt, ist der Grund, warum er mir wie ein junger Sherlock Holmes vorkommt - im positiven Sinne.
Am Ende gibt es übrigens ein Glossar, das die wichtigsten Begriffe noch einmal zusammenfasst und kurz erklärt.
Jonathan Stroud schafft es mal wieder, den Leser an die Seiten zu fesseln und ihn auch nach dem letzten Satz nicht loszulassen. Eine angenehme, junge, bildhafte Sprache, die jedes Knarzen im eigenen Zimmer zu einem boshaften Poltergeist werden lässt. Ein nächtlicher Sturm, Regen und Jonathan Strouds Erzählkunst lassen die Geister auch im eigenen Schlafzimmer lebendig werden.
 
Eine ausgesprochen gut gelungene Geisterjäger-Geschichte mit Krimi-Elementen und herrlichen Schauereffekten.
 
5 von 5 Punkten
Cover 1 Punkt, Idee 1 Punkt, Sprache 1 Punkt, Plot 1 Punkt, Figuren 1 Punkt
~*~ cbj ~*~ 413 Seiten ~*~ ISBN: 978-3-570-15617-9 ~*~ Gebundene Ausgabe mit Schutzumschlag ~*~ 18,99€ ~*~ 11. September 2013 ~*~

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