Montag, 23. September 2013

PHOBIA - Wulf Dorn

Quelle Heyne



Eines Nachts wacht Sarah Bridgewater auf, weil sie ihren Mann nach Hause kommen hört. Irritiert, da er doch eigentlich auf Geschäftsreise sein sollte, geht sie nach unten - und steht plötzlich einem Fremden gegenüber. Er bewegt sich wie ihr Mann Stephen. Er trägt den Anzug von Stephen. Er fährt Stephens Auto. Doch es ist ein Fremder mit Narben im Gesicht, dem er Anzug zu klein ist. Was will er in Sarahs Haus? Warum behauptet er, ihr Mann zu sein? Was hat er mit Stephen gemacht?






Phobia von Wulf Dorn. Tja. Wo soll ich anfangen? Ich hatte mich sehr auf das Buch gefreut, hat mich der Klappentext doch zunächst an meinen Lieblingsthriller Ich.Darf.Nicht.Schlafen erinnert. Vielleicht hatte ich deshalb höhere Erwartungen an Phobia als ich sie sonst gehabt hätte. Jedenfalls habe ich mit einem nervenaufreibenden Thriller voller Spannung, Nervenkitzel und Überraschungen gerechnet. Bekommen habe ich (leider) etwas anderes.






Zunächst die Figuren. Viel sagen kann ich zu ihnen nicht, einerseits, um nichts zu verraten und andererseits, weil es teilweise auch nicht viel zu sagen gibt. Sarah ist eine unglückliche Ehefrau, die ihren Traumjob in einem Verlag aufgegeben hat, aus Angst, sie könnte versagen. Woher diese Phobie so plötzlich kam, weiß sie nicht. Sie weiß nur, dass sie da und stark ist und ihr Leben einzunehmen droht. Immer öfter spürt sie diese unbegründete Phobie. Ich als Leserin habe davon aber nichts gespürt. Die Sorge um ihren Mann, die Angst vor dem Fremden, das Schwinden der Hoffnung, weil die Polizei ihr nicht glaubt. All das ist schon da, irgendwie. Aber es kommt bei mir einfach nicht an. 

Zu ihrem Ehemann Stephen kann ich nichts sagen, ohne nicht das bisschen Rätsel, das es um ihn gibt, vorwegzunehmen. Nur so viel: er bedient ein nur allzu bekanntes Klischee und scheint sonst nicht viel Charakter zu besitzen. 

Auch zum Täter kann ich leider nichts sagen, nicht einmal seinen Namen, sonst würde ich das Ende vorwegnehmen. Vielleicht so viel: er weiß, was er will, findet aber nicht unbedingt den richtigen Weg, dies umzusetzen.




Der Plot war für mich, kurz gesagt, enttäuschend. Jedes Mal, wenn ich dachte: Jetzt! - Jetzt kommt die große Überraschung! Jetzt kommt die Wende! Jetzt tappt die Protagonistin in eine Falle - passierte ... nichts. Ich weiß nicht, wie es anderen ging, aber für mich bot der Plot keinerlei Überraschungseffekt, keine Spannung, keinen Nervenkitzel. 

Ich bin nicht sicher, welchem Genre Phobia zuzuordnen ist. Ein Thriller ist es meiner Meinung nach auf gar keinen Fall. Eine Drama, ja. Man könnte auch Familiendrama sagen. Aber ein Thriller? Nein. Dafür dass Protagonistin Sarah so phobisch ist, kam von ihrer Angst nichts bei mir an, als ich die Geschichte gelesen habe. Keine Furcht, keine Panik, nichts. Überhaupt haben mir die nachempfindbaren Emotionen gefehlt. Was auch daran liegen könnte, dass keine Gefahrensituation entsteht.

Wie schon erwähnt, findet sich in der Auflösung um Stephen ein viel bedientes Klischee. Die Aussprache war mir übrigens viel zu lang und langatmig. Ich weiß nicht genau, was damit bezweckt werden sollte, sie war weder überraschend, noch spannend, noch gab es einen Aha-Effekt. Sie war einfach da.

Eine Geschichte, in der die Protagonistin zu keinem Zeitpunkt in wirklicher Gefahr ist und der (geübte) Leser sehr schnell weiß, was der "Täter" eigentlich vorhat, auch wenn es etwas falsch rüberkommt, ist für mich einfach kein Thriller. Es ist vielmehr eine Geschichte über das Leben. Dass die Menschen den Wert des Lebens erst dann erkennen, wenn es zu spät ist. Dass nur diejenigen richtig leben, die den Tod vor Augen haben. Dass man sich über das, was man hat, freuen sollte, solange es noch da ist und man sich noch freuen kann. Eine Geschichte über einen Mann, der dies lehren will, solange er kann.







Die Schreibstil ist sehr einfach und schnörkellos. Er lässt sich leicht und schnell lesen, trifft aber nicht unbedingt meinen Geschmack. Zudem finde ich, dass unzählige Seiten mit (teils unnötigen) Erklärungen gefüllt wurden. Mir persönlich fehlt die sprachliche Raffinesse. Die Informationen über die Figuren wirken dahingeklatscht und passen teilweise nur so gerade eben in den Zusammenhang. Das bisschen Spannung, das vorher vielleicht aufgekommen ist, wird durch diese Erklärungen wieder unterbrochen. Die nötigen Informationen hätte man geschickter einflechten können, anstatt sie einfach einzuschieben.




Kann man gelesen haben, muss man aber nicht. An sich eine interessante Geschichte, die seiner Genrezuordnung "Thriller" aber nicht gerecht wird.




3 von 5 Punkten

Cover 1 Punkt, Idee 1 Punkt, Plot 1/2 Punkt, Figuren 1/2 Punkt, Sprache 0 Punkte

~*~ Heyne ~*~ 400 Seiten ~*~ ISBN: 978-3-453-26733-6 ~*~ Gebundene Ausgabe mit Schutzumschlag ~*~ 19,99€ ~*~ 9. September 2013 ~*~ 

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