Montag, 7. Oktober 2013

KLEINE FRAU, WAS NUN? - Rachel Dewoskin



Quelle Piper




Judy ist sechzehn und sollte eigentlich die beste Zeit ihres Lebens genießen. Doch wie kann man das, wenn man kleinwüchsig ist und gerade die schlimmste Peinlichkeit aller Zeiten über sich ergehen lassen musste? Wenn man sich in einem Motel verkriecht und nie wieder hervorkommen möchte? Was soll an sechzehn bitte süß sein? 





Kleine Frau, was nun? kam überraschend als Herbstempfehlung vom Piper Verlag zu mir. Es ist mein erstes Buch, in dem eine kleinwüchsige Protagonistin von ihrem Leben erzählt, und es hat mich neugierig gemacht. 


Zu Beginn wissen wir nicht, warum Judy sich in einem Motel versteckt und das Zimmer am liebsten nie wieder verlassen würde. Nach und nach erzählt sie von ihrem Leben an der Schule. Dass sie es mit einem Meter Körpergröße nie leicht hatte, es aber trotzdem geschafft hat, aufgrund ihrer wunderschönen Singstimme an der Darcy Arts Academy aufgenommen zu werden. Von da an geht es ständig aufwärts in ihrem Leben. Sie findet Freunde, ergattert tatsächlich die Aufmerksamkeit ihres Schwarms Kyle und wird immer besser - bis es eines Tages zur großen Katastrophe kommt, die sie ins Motel getrieben hat. Was ist da bloß passiert? Was war so schlimm, dass sie sich am liebsten ihr Leben lang verkriechen würde? Das verrate ich natürlich nicht. 

Für meinen Geschmack hätte es ein paar mehr positive Momente geben können. Judy durchlebt viele Tiefen und aus vielen ihrer Worte spricht Verbitterung. Das ist verständlich und nachvollziehbar, aber zeitweise herrscht sehr lange eine deprimierte Stimmung, was es nicht immer leicht machte, am Ball zu bleiben. Alles in allem aber hat es mir gut gefallen. 


Judy ist eine sehr bissige Ich-Erzählerin. Im Laufe der Zeit hat sie gelernt, ihre Körpergröße mit einer ordentlichen Prise schwarzen Humors zu nehmen und versucht so, ihr Selbstmitleid zu kaschieren. Immer wieder erzählt sie von ihrer behüteten Kindheit, wie sie aufgewachsen ist und wie schwer es ist, die Blicke der anderen zu ertragen. Sie möchte dazu gehören, zu Ginger und Kyle und den anderen beliebten Mädchen. 
Dabei sind da auch noch Sarah und Molly, zwei Mädchen, die ebenfalls besondere Talente haben, aber wie Judy eher zu den Außenseitern gehören. Und genau diese beiden sind zwei wunderbare Freundinnen und genau das, was Judy sich immer gewünscht hat. Doch sie will mehr. Bis zu dem Tag der Katastrophe. 

Judys Sprache ist wie ihr Humor: bissig, direkt, ungeschminkt. Sie hat kein Problem damit, zu fluchen und zu sagen, was sie denkt. Oftmals wirkt ihre Wortwahl sehr verbittert, was eindringlich zeigt, wie sie sich fühlt. Ich finde, dass der Schreibstil gut gewählt wurde und zu Judy passt. 



Eine Geschichte über die Bedeutung der Freundschaft und die Akzeptanz des eigenen Lebens. 



3,5 von 5 Punkten

Cover 1/2 Punkt, Idee 1 Punkt, Plot 1/2 Punkt, Figuren 1/2 Punkt, Sprache 1 Punkt

~*~ Piper ~*~ 348 Seiten ~*~ ISBN: 978-3-492-05496-6 ~*~ Broschiert ~*~ 16,99€ ~*~ September 2013 ~*~


1 Kommentar:

  1. Das klingt wirklich interessant - ich habe mich mal eine Weile mit Kleinwüchsigkeit beschäftigt, und besonders damit, wie Kleinwüchsigkeit im Laufe der Zeit sozial aufgenommen wurde. Insofern werde ich das Buch bestimmt noch lesen!

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