Montag, 14. Oktober 2013

STUMME ANGST - Christina Stein

Quelle cbt




Es ist Freitagabend. Während Liam sich ärgert, dass Anna ihn versetzt hat und überlegt, warum sie das getan haben und wie er es ihr heimzahlen könnte, liegt Anna längst gefesselt im Keller eines Hauses. Natans Hauses. Ihr Exfreund hat sie auf dem Heimweg aufgegriffen und entführt, um sie für sich zu haben. 

Nach einiger Zeit erkennt Liam, dass etwas nicht stimmt und gemeinsam mit Annas bester Freundin Marie machen sie sich auf die Suche nach Anna. Die Polizei hilft ihnen nicht und sie sind auf sich gestellt. Doch Marie scheint etwas zu wissen. Was verschweigt sie?




Stumme Angst ist ein Thriller für junge Leser ab 12 Jahren.



Die Inhaltsangabe klingt wie ein fetter Spoiler, nicht wahr? Weil dort bereits steht, wer Anna entführt hat. Aber: diese Information ist auch auf dem Klappentext des Buches zu finden. Der Leser weiß von Anfang an, dass Annas Exfreund Natan ihr Entführer ist. Mich hat das etwas gewundert, wo bei diesen Entführungsthriller das Wer doch meistens das Spannendste ist. Zumindest für mich. Ich war neugierig, was in dieser Geschichte im Vordergrund steht, wenn nicht die Frage nach dem Wer. 

Schnell wird klar: Das Wer ist schon wichtig. Und zwar für die Figur des Liam. Er ist Annas Freund und sucht nach ihr. Im Gegensatz zum Leser weiß er nicht, wer Anna entführt hat und hangelt sich eine Liste entlang, die Annas beste Freundin Marie für ihn zusammengestellt hat. Ich muss gestehen, eine Figur dabei zu beobachten, jemanden zu suchen, den der Leser bereits kennt, ist nicht sonderlich spannend. Es gibt kein Mitfiebern und Miträtseln sondern vielmehr ein genervten "Neee, du suchst vollkommen falsch, denk doch mal an XY, das liegt doch auf der Hand!" 

Der Plot ist in Ordnung, hat mich aber weder umgehauen noch mir den gewünschten Nervenkitzel beschert. Die eingeschobenen Tagebuchauszüge, die Anna in Natans Badezimmer findet, sind eher langweilig und wirken mehr wie Lückenfüller als Spannungsträger. Der tiefere Sinn dieser Auszüge hat sich mir bis zum Ende nicht erschlossen. Man erhält ein paar Informationen über Natans Großmutter und seinen Vater, aber mehr auch nicht. 

Was mich gestört hat, war, dass es sich sehr konstruiert gelesen hat. Natürlich steht Natas Name weit unten auf der Liste und natürlich verschwindet ausgerechnet zur gleichen Zeit wie Anna ein kleines Mädchen, nach dem ausnahmslos alle Polizisten des Bezirks suchen und natürlich bleibt kein einziger übrig, um sich um Annas Fall und Liams gesammelte Beweise zu kümmern.




Die Figuren sind sehr durchschnittlich und tendieren oftmals gegen unsympathisch. Am realistischsten wirkt wohl noch die entführte Anna, die immer mehr in Selbstmitleid und Hoffnungslosigkeit versinkt und alles protestlos über sie ergehen lässt. Sie stellt sich tot, hat ihre Fluchtgedanken bereits nach einem Tag aufgegeben. Sie ist überzeugt davon, den Keller nicht mehr lebend zu verlassen. 

Die größte Rolle neben Anna hat ihr Freund Liam. Nachdem der endlich seine Eifersucht und sein Kleinkind-Gehabe abgelegt hat, erkennt er, dass Anna verschwunden sein muss. Dass man sie vermutlich entführt hat. Er bittet sowohl Marie wie auch die Polizei um Hilfe und beschließt kurzerhand, auch auf eigene Faust zu ermitteln, da die Polizei nichts tut. Doch Liam hat den falschen Fokus und statt sich Sorgen zu machen, dass seine Freundin tot sein könnte oder vielleicht gerade missbraucht oder gefoltert wird, stellt er sich das gemeinsame Sexualleben mit Anna und den Exfreunden vor, die er aufsucht. Wie der Sex wohl war, dass Annas Brüste in Torbens riesigen Händen verschwunden wären, etc. Die Eifersucht macht ihn nicht unbedingt sympathisch. 

Freundin Marie bleibt relativ blass. Sie ist reich und schüchtern, Liam ist tierisch genervt von ihrer ganzen Art und eigentlich drückt jede von Maries Gesten aus, was sie eigentlich will. Bzw. wen. Ihr Verhalten ist relativ schnell vorhersehbar und warum sie was getan hat weiß der Leser vor Liam und den anderen Figuren.

Natan ist besessen von Anna und zeigt ihr das auf sehr seltsame Art und Weise. Ich habe eigentlich kein richtiges Bild von ihm bekommen. Am Ende gab es noch eine kleine Überraschung in Form einer Aussage von Natan, ansonsten ist er eher blass geblieben.



Mein größter Kritikpunkt gilt der Sprache. Ich empfand sie also sehr holprig. Der Umgang mit der Syntax war sehr ... locker. Es las sich mehr wie Sprechsprache als Schriftsprache und teilweise kam es mir mehr wie aneinander gereihte, unausformulierte Notizen als wie ein Fließtext vor. Ich bin ein Freund von schöner, wohl formulierter Sprache und hatte mit diesem Stil ziemliche Probleme. Es kam einfach kein Lesefluss zustande.



Blasse Figuren, langatmiger Plot ohne Thrill und holprige Sprache - konnte mich leider nicht überzeugen.



2 von 5 Punkten

Cover 1 Punkt, Idee 1/2 Punkt, Plot 0 Punkte, Figuren 1/2 Punkt, Sprache 0 Punkte

~*~ cbt ~*~ 254 Seiten ~*~ ISBN: 978-3-570-16265-1 ~*~ Broschiert ~*~ 9,99€ ~*~ September 2013 ~*~

Kommentare:

  1. Hmm... nach deiner Rezi überleg ich mir ernsthaft, ob ich das Buch noch lesen soll :/

    LG Kasia

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    1. Ich muss dazu sagen, dass ich extrem kritisch bin, was Thriller angeht. Aber den hier fand ich einfach nur langweilig, leider. Du kannst aber gerne mal einen Blick in die Leserunde bei Lovelybooks werfen, die meisten sind ziemlich begeistert. Bisher scheine ich mit meiner Meinung allein dazustehen ;)
      lg

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