Sonntag, 3. November 2013

DAS SPIEL IST AUS, WENN WIR ES SAGEN - Jeanne Ryan

Quelle cbt





Vee stand schon immer hinter dem Vorhang. Wenn sie vorsprechen will, versagt ihr die Stimme. Wenn sie im Mittelpunkt steht, bekommt sie weiche Knie. Sie hat sich nie zu den mutigen Mädchen gezählt. Und nie hätte sie gedacht, dass sie einmal bei dem Online-Spiel Risk mitmachen würde. Sich vor laufender Kamera lächerlich machen? Mutproben bestehen, die im Internet landen? Doch dann denkt sie sich "Was soll's?" und nimmt an einer einfachen Challenge teil. Für ein paar peinliche Sekunden sündhaft teure Schuhe gewinnen? Warum nicht? Ihr bester Freund Tommy unterstützt sie, indem er sie filmt. Doch das Spiel artet schneller aus, als Vee gedacht hat und aus einer Challenge werden zwei, drei vier, bis sie nicht mehr aussteigen kann. Bis Risk mehr als nur ein paar peinliche Momente verlangt. Bis es Blut sehen will...



Thriller um Computerspiele und ähnliches haben mich schon immer fasziniert. Diesen hier hätte ich beinahe übersehen, weil das Cover so unscheinbar ist und nicht erahnen lässt, welch unglaubliche Geschichte sich in seinem Inneren verbirgt. 



Vee ist ein Feigling. Zumindest denkt sie das von sich. Sie steht nicht auf der Bühne wie ihre beste Freundin Sydney. Sie wird nie einen Jungen wie Hauptdarsteller Matthew bekommen. Dabei ist sie eine meisterhafte Visagistin und auch wenn sie Matthew nicht haben kann, gibt es andere Jungs, die auf sie stehen. Diese eine einfache Challenge zu machen, ist für sie eine wahnsinnige Mutprobe. Und sie wächst daran. Im Laufe der Geschichte macht sie eine unglaubliche Verwandlung durch. In welche Richtung, das verrate ich natürlich nicht.

An dieser Verwandlung beteiligt sind unter anderem Tommy und Ian. Zwei vollkommen verschiedene junge Männer, die beide Gefühle für Vee haben. Zumindest geben sie das vor. Aber kann Vee ihnen auch trauen? Will Tommy ihr wirklich helfen? Und was hat Ian vor? Ist es vielleicht teil seiner Challenge, mit ihr zu flirten? Was hat er für ein Geheimnis? Wem kann sie noch trauen? 

Ebenfalls eine wichtige Rolle spielt Sydney, die das komplette Gegenteil von Vee zu sein scheint. Sie ist selbstbewusst und schön, sie weiß, was sie kann und sie weiß, was sie will. Sie nimmt sich, worauf sie Lust hat, auch wenn sie andere damit verletzt. Doch im richtigen Moment ist sie für ihre Freunde da: um ihnen zu helfen, oder ihnen in den Hintern zu treten. 



Das Spiel ist aus, wenn wir es sagen ist ein Thriller der Extraklasse. Der Leser wird langsam und schleichend in Risk' Einfluss gezogen und merkt kaum, was mit ihm passiert, bis es zu spät ist. Der Prolog mit Abigail lässt schon erahnen, dass Risk nicht so harmlos ist, wie es vorgibt zu sein. Niemand kennt die Leute, hinter dem Spiel. Niemand weiß, woher Risk all diese Informationen hat. Niemand weiß, wozu es da ist. Und als die Spieler bemerken, was mit ihnen geschieht, ist es zu spät für sie, um auszusteigen. Das Spiel ist aus, wenn wir es sagen hat mich um eine Nacht gebracht, ich habe abends angefangen zu lesen und bin irgendwann mitten in der Nacht fertig geworden und konnte nicht glauben, dass es zu ende war. Ich hoffe hoffe hoffe, dass es eine Fortsetzung geben und die Autorin nicht so grausam sein wird, uns Leser mit diesem Ende zurückzulassen. 



Vee erzählt als Ich-Erzählerin und Jeanne Ryan hat es geschafft, Vee eine eigene Stimme zu verleihen. Eine sarkastische, von Selbstzweifeln und Schuldgefühlen geplagte Stimme, die die Geschichte eindringlich und fesselnd erzählt. Und den Leser manches Mal auch zum Schmunzeln bringt. 



Ein Thriller, der mich umgehauen hat. Unvorhersehbar, fesselnd, überraschend, emotional. Mehr davon!



4,5 von 5 Punkten

Cover 1/2 Punkt, Plot 1 Punkt, Idee 1 Punkt, Figuren 1 Punkt, Sprache 1 Punkt

~*~ cbt ~*~ 318 Seiten ~*~ ISBN: 978-3-570-16271-2 ~*~ Broschiert ~*~ 14,99€ ~*~ 28. Oktober 2013 ~*~ 

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