Sonntag, 17. November 2013

DER EINSAME POLYGAMIST - Brady Udall

Quelle Goldmann





"Golden Richards hat vier Ehefrauen, 28 Kinder und eine ordentliche Midlifecrisis. Seine Baufirma hat ihre besten Tage hinter sich, seine Familie ist außer Kontrolle und bekämpft sich, wo es nur geht, und zu alledem macht ihm die Trauer um zwei seiner Kinder sehr zu schaffen. Viel zu oft fühlt er sich in seiner Familie nur noch als Außenstehender. Daher beschließt er, dass ihm etwas Abstand gut tun würde und übernimmt kurzerhand den Bau eines Bordells in einer Stadt, die ein paar Autostunden entfernt ist. Seiner Familie beichtet er allerdings nur die halbe Wahrheit. Für sie arbeitet er an einem Seniorenheim. Was er ebenfalls nicht erzählt ist, dass er sich verliebt hat. Dass seine neueste Liebe die Frau seines Auftraggebers ist, weiß er allerdings selbst noch nicht ..."



Der einsame Polygamist erzählt die humorvolle Geschichte eines Mannes, der noch immer auf der Suche nach der großen Liebe ist - obwohl er bereits vier Frauen und 28 Kinder hat... 




Golden Richards war in seinem Leben schon sehr fleißig und das spürt er Tag für Tag aufs Neue. In seinem Haus leben vier Frauen und 28 Kinder. Da kann es einfach nicht genug Bäder geben. Und die Namen seiner eigenen Kinder werden zu einem echten Gedächtnistraining und erfordern viel Kreativität. Wie soll mann auch 32 Namen immer parat haben? 
Doch obwohl Goldens Leben im wahrsten Sinne des Wortes über... äh... erfüllt scheint, ist er nicht zufrieden. Was ihm noch fehlt, ist die eine, die große Liebe. Um die zu finden und zu erobern, lügt er sogar seine ganze Familie an. Er schwärmt ihnen von seinem neusten Projekt vor, dass er offiziell als Seniorenheim bezeichnet. In Wahrheit jedoch... Nun ja. Dumm nur, dass er seine große Liebe ausgerechnet da findet. Und dass sie schon vergeben ist. 

Anfangs war ich überrascht von der Dicke des Buches. Bei dem Inhalt, der nach einer lockeren, humorvollen Männergeschichte klingt, bin ich niemals von gut 730 Seiten ausgegangen. Doch nach und nach wurde mir klar, dass in diesem Buch viel mehr steckt als das - und die Seitenzahl durchaus Sinn ergibt. Zwischendurch gab es ein paar Längen, das ist bei der Stärke (fast) nicht zu vermeiden, aber ich war doch positiv überrascht, wie kurzweilig mir die Geschichte vorkam. 



Golden Richards ist eine interessante und detailliert gezeichnete Figur, der man gerne durch die Geschichte folgt und die durch ihren Facettenreichtum überzeugt. Obwohl viele Passagen sehr humorvoll und amüsant geschrieben sind, sorgt vor allem Golden auch für eine gewisse Tiefsinnigkeit und nachdenklichere Töne. Man erfährt viel über seine Vergangenheit und wie er so geworden ist, wie er ist. Es ist spannend, etwas mehr über eine Figur und ihre Hintergründe zu erfahren, um sie besser zu verstehen. 

Auch Goldens Eltern, die bei seiner Entwicklung eine entscheidende Rolle gespielt haben, wurden gut und nicht zu einseitig dargestellt. 
Selbst die vier Frauen zeigen, dass sie durchaus "runde" Figuren sind und alles andere als blass bleiben. Mir gefällt, mit wie viel Liebe zum Detail die Figuren ausgearbeitet wurden, um sie im Kopf zum Leben zu erwecken. Die Konflikte innerhalb der Familie sind gut dargestellt und so ist es nur natürlich, dass sich bei 32 Personen plus Golden nicht alle blendend verstehen. Familienstreitigkeiten sind da vorprogrammiert. 



Mir egfällt die Mischung aus humorvollen, nachdenklichen und temporeichen Szenen. Es ist eine schöne Abwechslung, die für Spannung, aber auch für Atempausen sorgt. Wie schon erwähnt, gibt es ein paar inhaltliche Längen, der tolle Schreibstil macht das aber bis zu einem gewissen Grad wieder wett.



Der einsame Polygamist steckt voller Überraschungen und bietet viel mehr, als sich auf den ersten Blick vermuten lässt. Eine amüsant-nachdenkliche Lektüre. 



4,5 von 5 Punkten

Cover 1 Punkt, Idee 1 Punkt, Plot 1/2 Punkt, Figuren 1 Punkt, Sprache 1 Punkt

~*~ Goldmann ~*~ 733 Seiten ~*~ ISBN: 978-3-44246793-8 ~*~ Taschenbuch ~*~ 9,99€ ~*~ November 2013 ~*~

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