Donnerstag, 28. November 2013

DIESE EINE WOCHE IM NOVEMBER - Michael Wallner

Quelle cbt








"Als Julia in Venedig auf Tonio trifft, ist sie fasziniert von dem attraktiven jungen Mann. Während abendlicher Streifzüge zeigt Tonio der schönen Deutschen die verwunschenen Ecken der Lagunenstadt und die beiden kommen sich näher. Ihre Romanze wird jäh gestört, als sie auf die Spuren der Trucidi stoßen, einer geheimen Bruderschaft, die die Stadt vor Hunderten von Jahren regierte. Jetzt ist sie zurück und fordert die Herrschaft über die prunkvollen Palazzi. Julias Vater, ein deutscher Kommissar, ist ihnen bereits auf den Fersen – zu dicht, denn Julia und ihr Vater werden gekidnappt und ihr Leben liegt in den Händen der skrupellosen Gangster. Einzig Tonio kann seine große Liebe noch retten, doch dafür muss er sich dem Großmeister der Bruderschaft stellen ..."






Diese eine Woche im November ist eine Urlaubsflirt-Liebes-Krimi-Venedig-Geschichte für junge Leser ab 14 Jahren. 


Tja, wo soll ich anfangen? Vielleicht bei der Idee und dem Plot selbst. Ich bin nicht sicher, in welche Richtung die Geschichte ursprünglich gehen sollte. Herausgekommen ist ein Mischmasch aus Urlaubsflirt/Liebes-Geschichte, Kriminalroman, einer geschichtlichen Abhandlung über Venedig und einem Geheimorganisations-Thriller. Ob die Genremischung hier gut war? Meiner Meinung nach nicht. 

Mit dem Plot hatte ich so meine Schwierigkeiten. Dabei war es nicht einmal die Vermischung der Genres sondern schlicht die fehlende Spannung. Die Handlung zieht sich und wenn es spannend wird, kommt zum falschen Zeitpunkt ein Perspektivenwechsel. Auf die gehe ich später unter "Sprache" noch  einmal ein.  Zwischendurch hatte ich das Gefühl, ein Geschichtsbuch zu lesen, sosehr wird man mit Informationen über Venedig oder die Trudici bombadiert. Um diese Fakten zu vermitteln gibt es deutlich elegantere Lösungen als sie einfach alle auf einmal aufzuschreiben. 

Ebenfalls gestört haben mich die Fehler. Das fängt schon bei Kleinigkeiten an wie "Canale Grande" (richtig heißt es Canal Grande) und "Lautlos, ohne Tränen, weint sie" (also entweder weint man trockene Schluchzer (geräuschvoll) oder vergießt stumme Tränen, aber nichts von beidem geht nicht bzw. das ist dann kein Weinen sondern höchstenfalls ein verkrampfter Gesichtsausdruck) und geht bis hin zu Unstimmigkeiten im Plot. 

Ein Beispiel (Seite 135 und dann 155)
Zwei Menschen werden gefangen genommen. Person A hofft auf Hilfe eines Verbündeten. Einer der Geiselnehmer lässt ganz deutlich durchblicken, dass sie eben diesen Verbündeten ermordet haben. Als Person B die Chance hat zu fliehen, trägt Person A ihr auf, sofort zu dem Verbündeten zu laufen. Von dem A weiß, dass er tot ist. Warum schickt A B dann dahin? 

Oder ein zweites Beispiel (Seite 77): 
Zwei Polizisten telefonieren miteinander. Polizist 1 wird mit einem Schalldämpfer während des Telefonats erschossen. Polizist 2 hört es nicht. Der Killer hört aber sehr wohl die Stimme von Polizist 2 aus dem Telefon. Dass man Schalldämpferschüsse nicht hört ist auch nur ein Hollywood-Mythos. Polizist 2 hätte den Schuss definitiv hören müssen. 

Ich war mehrmals kurz davor, das Buch komplett abzubrechen. Stattdessen habe ich immer wieder andere Geschichten zwischengeschoben, bevor mich wieder mit Diese eine Woche im November befassen konnte. Es ist schade, dass hier so viel Potenzial verspielt wurde. 





Der Schreibstil ist sehr trocken und auf Dauer anstrengend zu lesen. Mir fehlen vor allem transportierte Emotionen und Atmosphäre. Es kam beim Lesen einfach nichts bei mir an. 
Kompliziert wurde das ganze durch die ständigen, sprunghaften Perspektivenwechsel, die durch nichts angekündigt oder sichtbar gemacht wurden. In einem Satz folgen wir noch Julia, im nächsten sind wir plötzlich in Tonios Kopf. Kein doppelter Zeilenumbruch, keine ***, nichts. Die drei Sternchen tauchen irgendwann auf, ich würde sagen auf den letzten 30 Seiten. Warum nicht von Anfang an? Ich weiß es nicht. Ich empfand es als sehr anstregend und mühselig diese gewollt filmisch wirkenden Sprünge zu lesen. In einem Film hätten die raschen Wechsel sicherlich gut gewirkt, hier sind sie eher fehl am Platz und schaffen mehr Distanz zu den Figuren als Spannung.  

Noch schlimmer aber finde ich die Art und Weise, wie der Erzähler über seine Figuren spricht. So abfällig und negativ. Wie soll der Leser Sympathie zu den Figuren aufbauen, wenn der Erzähler immer wieder durchblicken lässt, was er selbst von ihnen hält? 
Es sind so Formulierungen wie "Er flennte vor Freude" und "[...] und heult Rotz und Wasser, weil sie ihren alten Herrn nicht mitnehmen kann", die mir sauer aufstoßen. Ich weiß nicht, ob das vergeblich cool sein soll, mich stößt es eher ab. 





Eigentlich habe ich unter Sprache schon alles gesagt, was es zu den Figuren zu sagen gibt. Durch die ständigen Perspektivenwechsel fällt es extrem schwer, sich in eine der Figuren hineinzuversetzen. Diese gewissen Formulierungen schaffen zusätzlich Distanz, mit dem Ergebnis, das mir die Figuren und ihre Schicksale schlicht egal sind.






Venedig, Geheimorganisationen, Liebe, Verrat... Das alles hat viel Potenzial und gerade als Venedig-Fan habe ich mich darauf gefreut. Die Umsetzung konnte mich leider in keinster Weise überzeugen. Schade. 





1 von 5 Punkten

Cover 1/2 Punkt, Idee 1/2 Punkt, Plot 0 Punkte, Figuren 0 Punkte, Sprache 0 Punkte

~*~ cbt ~*~ 320 Seiten ~*~ ISBN: 978-3-570-16047-3 ~*~ Gebundene Ausgabe mit Schutzumschlag ~*~ 16,99€ ~*~ November 2013 ~*~

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Kommentare:

  1. Hi

    Ich habe meine Rezension zu "Diese eine Woche im November" gerade letzte Nacht online gestellt und auch ich habe einige Kritikpunkte. Doch ganz so schlecht wie bei dir ist es bei mir hat es dann doch nicht abgeschnitten ;-)
    Mir gefällt vor allem das Cover wirklich sehr gut.

    lg Favola

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    1. Das Cover ist für mich leider das beste am ganzen Buch. :P Aber ich geh gleich mal stöbern, was du in deiner Rezi geschrieben hast. :)

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