Freitag, 27. Dezember 2013

NOAH - Sebastian Fitzek

Quelle Bastei Lübbe


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"Er weiß nicht, wie er heißt. Er hat keine Ahnung, wo er herkommt. Er kann sich nicht erinnern, wie er nach Berlin kam, und seit wann er hier auf der Straße lebt. Die Obdachlosen, mit denen er umherzieht, nennen ihn Noah, weil dieser Name tätowiert auf der Innenseite seiner Handfläche steht. Noahs Suche nach seiner Herkunft wird zu einer Tour de force. Für ihn und die gesamte Menschheit. Denn er ist das wesentliche Element in einer Verschwörung, die das Leben aller Menschen auf dem Planeten gefährdet und schon zehntausende Opfer gefunden hat."






Nach Die Therapie und Nachtwandler ist Noah erst mein dritter Fitzek. Ich hatte hier und da schon gehört, dass Noah anders sein sollte als alles, was ich bisher von Fitzek gelesen habe. Nach der Lektüre kann ich bestätigen: er ist anders. Besser. Spannender. Fesselnder. Obwohl ich nicht geglaubt habe, dass das nach Nachtwandler noch möglich gewesen wäre.



Eines scheint bei einem Fitzek nie fehlen zu dürfen: eine psychisch kranke Figur. In diesem Fall ist es unser Protagonist Noah. Eines Tages ist er angeschossen und ohne Gedächtnis mitten auf der Straße aufgewacht. Der Obdachlose Oscar hat ihn gesund gepflegt und seitdem kämpfen die beiden gemeinsam ums Überleben auf der Straße. Noah weiß nicht, woher er kommt, was passiert ist oder wie er heißt. Oder warum er gejagt wird. Der Name, mit dem er angesprochen wird, stammt von einer ungelenken Tätowierung in seiner Hand: NOAH. Er dachte, dass es mit der Zeit besser werden, dass die Erinnerung zurückkommen würde. Doch stattdessen scheint es schlimmer zu werden. 

Will Noah überhaupt wissen, wer er einmal war? Als eins zum anderen kommt, entdeckt er in einem Hotel einen Koffer, der angeblich ihm gehört hat. Wieso finden sich darin Pässe mit seinem Foto, aber mit unterschiedlichen Namen? Wieso kann er sich plötzlich erinnern, sich selbst tot auf dem Teppich dieser Suite gesehen zu haben? Und warum ist er so unglaublich gut darin, Menschen zu töten? 
Aber, was noch viel wichtiger ist, warum sind so viele Menschen hinter ihm her, um ihn zu töten? Was hat er getan? Was glauben sie, was er weiß?

Noah ist nur eine von vielen vielschichtigen Figuren. Da ist zum Beispiel auch Zaphire, der mit ZetFlu ein Gegenmittel gegen die gefährliche Manila-Grippe entwickelt hat. Er wirkt von Anfang an nicht besonders sympathisch, doch erst im Laufe der Geschichte zeigt sich, zu welchen Plänen und Taten er tatsächlich fähig ist. Zaphire ist die Figur, die geradeheraus sagt, wie es um die Erde steht und die beinahe alles tun würde, um den Menschen die Augen zu öffnen. 

Aber auch Oscar, Celine, Cezet, Alicia, Noel, sie alle tragen ihren Teil zur Geschichte bei und machen sie so rund und unglaublich spannend. 




Was hier anfangs wie der erste der Bourne-Filme klingt (angeschossen, keine Erinnerung, aber erstaunlich gut im Töten) entwickelt sich rasend schnell zu einem hochspannenden, gesellschaftskritischen Ökothriller voller Überraschungen und Irrwege. Noah spielt in einer Gegenwart, in der ein tödliches Fieber die Welt heimsucht. Der Impfstoff ist knapp und der Entwickler Zaphire ist nicht gewillt, ihn noch länger den Reichen zur Verfügung zu stellen. So unsympathisch und kaltherzig Zaphire auch erscheint, so erschreckend und gleichzeitig realistisch ist, was er über die Welt sagt. Über Übervevölkerung und den viel zu großen ökologischen Fußabdruck der westlichen Welt. Über die ungerechte Verteilung der Ressourcen. Über all die Menschen, die weit über ihre Verhältnisse leben. Über die Armut in den Dritte-Welt-Ländern und über das, was mit der Welt passieren wird, wenn wir so weiter machen. 

Sehr spannend fand ich hierzu auch die an die Geschichte angehangene Erklärung des Autors selbst. Über die Bilderberger und die fiktive Gesellschaft Room 17. Über die Fakten, wie es um unsere Erde steht. Über den rasend schnellen Verbrauch der Ressourcen. 

Ich denke, es spricht für sich, dass ich diesen 558-seitigen Thriller an nur zwei Tagen gelesen habe. 

Noah ist nicht nur durch seinen spannenden Plot so gelungen, sondern auch durch seine Gesellschaftskritik, seinen Bezug zur Realität und auf das zurzeit so aktuelle Thema des ökologischen Fußabdruckes. 



Ganz klare Leseempfehlung. Eines der besten Bücher dieses Jahres. 




5 von 5 Punkten

Cover 1 Punkt, Idee 1 Punkt, Plot 1 Punkt, Figuren 1 Punkt, Sprache 1 Punkt

~*~ Lübbe ~*~ 558 Seiten ~*~ ISBN: 978-3-7857-2482-8 ~*~ Gebundene Ausgabe mit Schutzumschlag ~*~ Dezember 2013 ~*~

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