Freitag, 17. Januar 2014

ES WIRD KEINE HELDEN GEBEN - Anna Seidl

Quelle Oetinger
Das Buch erscheint am 20. Januar
(vom Verlag genehmigte Vorab-Rezension)

Zum Buch



"Berührend, fesselnd, unfassbar: Wenn nichts mehr ist, wie es war. Kurz, nachdem es zur Pause geläutet hat, hört Miriam einen Schuss. Zunächst versteht niemand, was eigentlich passiert ist, aber dann herrschen Chaos und nackte Angst. Matias, ein Schüler aus ihrer Parallelklasse, schießt um sich. Auch Miriams Freund Tobi wird tödlich getroffen. Miriam überlebt - aber sie fragt sich, ob das Leben ohne Tobi und mit den ständig wiederkehrenden Albträumen überhaupt noch einen Sinn hat. Waren sie und ihre Mitschüler Schuld an der Katastrophe?"



Was passiert eigentlich nach einem Amoklauf? Wie gehen die Überlebenden damit um? Wie verarbeiten sie, was sie gesehen, was sie erlebt haben? Wer wird sein Leben weiterleben – und wer wird einfach aufgeben?

In ihrem Debüt Es wird keine Helden geben widmet sich die junge Anna Seidl genau dieser Frage. Eindringlich und emotional beschreibt sie den schweren Weg, den die 15-Jährige Miriam nach dem Amoklauf zu gehen hat. Was sie alles neu erlernen muss, wie schwer es ist, mit den Verlusten klar zu kommen, wie sehr sie von Alpträumen, Erinnerungen und Was-wäre-wenns geplagt wird. Und wie sie mit der Schuldfrage umzugehen hat.

Es wird keine Helden geben liest sich nicht wirklich wie ein Roman. Es liest sich vielmehr wie die Tagebucheinträge von Miriam. Es ist sprachlich teilweise etwas holprig, es wirkt vor allem in der ersten Hälfte sehr unstrukturiert, es gibt ein ständiges Hin und Her zwischen „Ich kann nicht mehr“ und „Ich muss weiter machen“. Eine gradlinige Entwicklung der Figur gibt es nicht – aber gerade das macht es so authentisch. Es gibt nicht, wie üblicherweise in Romanen, den einen Punkt, an dem sich die Denkweise der Figur ändert. Es ist ein ständiges Auf und Ab, manchmal hat man das Gefühl, das nach jedem Schritt vorwärts, zwei Schritte zurück folgen.

Es ist schwer den Plot zu beurteilen, weil es eigentlich keinen richtigen Plot gibt. Nicht im üblichen Sinne. In der realen Welt passiert nicht allzu viel nach dem Amoklauf, es wird eigentlich immer das gleiche beschrieben: Schule, Therapie, Verkriechen. Die wichtigen Dinge, die passieren, geschehen in Miriams Kopf. 
Auch die Figuren zu bewerten, ist nicht leicht. Da Miriam in der Gegenwart kaum in Interaktion mit anderen tritt, bleiben die meisten sehr blass. Nicht einmal die Mutter, die wohl mit die wichtigste Konfliktfigur ist, kommt wirklich zur Geltung. Die einzige Figur, die wirklich plastisch erscheint, ist die Ich-Erzählerin Miriam. In Rückblenden wird versucht zu zeigen, wie die Menschen vor dem Amoklauf waren. So erfährt man etwas mehr über deren Vergangenheit und bekommt eher ein Bild davon, wie die Figur sein soll. Der Kontrast zwischen Damals und Heute - oder Davor und Danach - kommt ganz gut zur Geltung.Ich hatte beim Lesen nur kein Bild von ihnen vor Augen.


Aber all das, was ich normalerweise in einem Roman kritisieren würde, passt hier. Es macht Miriams Erzählungen einfach authentisch und eindringlicher. Die Unstrukturiertheit, die Stimmungsschwankungen, der etwas holprige Schreibstil, das Tagebuch-Gefühl… All das, macht Es wird keine Helden geben so eindringlich und realitätsnah. In dieser Geschichte funktioniert es. Es passt einfach, dass man hier nicht das Gefühl hat, einen Roman zu lesen, sondern ein Tagebuch. Ich glaube aber auch, dass es nur bei dieser Art Geschichte funktioniert. 




3,5 von 5 Punkten

Cover 1 Punkt, Idee 1 Punkt, Plot 1/2 Punkt, Figuren 1/2 Punkt, Sprache 1/2 Punkt

~*~ Oetinger ~*~ 252 Seiten ~*~ ISBN: 978-3-7891-4746-3 ~*~ Gebundene Ausgabe ~*~ 14,95€ ~*~ Januar 2014 ~*~

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