Donnerstag, 13. Februar 2014

ICH BIN TESS - Lottie Moggach

Quelle Script5


Zum Buch



"Würdest du dein Leben aufgeben, um das eines anderen zu übernehmen?

 Leila hat Tess nie zuvor getroffen.

Doch sie weiß mehr über sie als irgendjemand sonst.



Tess hat Leila nie zuvor getroffen.

Doch wenn sie unbemerkt aus der Welt scheiden will,

muss sie Leila ihr Leben anvertrauen.


Zu Beginn ist es leicht für Leila, sich online als Tess auszugeben. Niemand durchschaut ihr Spiel.

Doch wie lange lässt sich eine solche Lüge aufrechterhalten? [...]"




Leila ist Mitte 20 und weiß nichts mit ihrem Leben anzufangen. Tess ist Ende 30 und würde ihres gerne beenden. Sie ist manisch-depressiv und kommt mit ihren Stimmungsschwankungen nicht mehr klar. Sie träumt schon seit Langem von Selbstmord, aber bisher hat sie sich nicht getraut. Sie wollte es ihrer Familie nicht antun. Doch dann wird sie Leila vorgestellt. Leila soll alles über Tess lernen, um ihr Leben zu übernehmen. Online, versteht sich. Facebook, Emails, Foto-Updates. Um all das soll Leila sich nach Tess "Auschecken" kümmern. 

Ich weiß nicht recht, wo ich mit meiner Kritik anfangen soll. Ich habe das Buch für eine Leserunde bekommen und hatte am Anfang gänzlich andere Erwartungen. Zunächst einmal bin ich bei Script5 von einem Jugendbuch ausgegangen. Das ist es nicht. Und dann hätte ich gedacht, dass es ... na ja ... emotional in irgendeine Richtung ausschlagen würde. Ein Psychothriller, weil jemand Leila auf die Schliche kommt. Ein Drama, weil etwas schief geht. Irgendetwas, das beim Leser Gefühle auslöst. Aber nein. 

Ich bin Tess ist ... langweilig. Zäh wie Kaugummi. Trocken. Hölzern. Nüchtern. Ich weiß noch immer nicht, wo nun der Sinn in dieser Geschichte liegt. Klar, es zeigt auf, wie leicht es im digitalen Zeitalter ist, die Identität von jemand anderem anzunehmen, wie anonym die Welt ist, dass ein Selbstmord mehr oder weniger nicht auffällt. Dass eine Frau einfach so Suizid begehen kann, ohne dass irgendjemand aus ihrer Familie merkt, dass die Person, die mit ihnen kommuniziert, nicht ihre Tochter ist. Aber was hier spannend und interessant klingt, ist es auf dem Papier nicht. 

Leila schreibt ihre Geschichte auf und sie sagt am Anfang selbst, sie will es nüchtern und ohne persönliche Empfindungen machen. Dieses Vorhaben gelingt auch, nur leider macht das den Roman so staubtrocken. Leila erzählt alles nach, wir erleben kaum etwas, das gerade passiert. Wir bekommen Informationen über Informationen, aber nicht die, die wirklich interessant sind. Nacherzählung über Nacherzählung, Input ohne Ende, aber absolut keine Spannung. Es ist eine Ansammlung an Informationen, an Notizen, der jegliche persönliche oder emotionale Note fehlt. Im letzten Drittel wird es etwas besser, aber noch lange nicht gut, und es kommt auch viel zu spät. Es dauert lange, bis es anfängt, interessant zu werden, aber fesseln konnte es mich zu keinem Zeitpunkt. Ich habe es immer wieder weggelegt, zwischendurch etwas anderes gelesen und dann weitergemacht. Das Ende ist wieder sehr enttäuschend, ihm fehlt jegliche Überraschung, jeglicher Twist im Plot. Alles endet mehr oder weniger so, wie man es erwartet, keine Figur überrascht, es gibt keine Enthüllungen, nichts. Das einzige, was mich interessiert hätte, bleibt offen. Ich habe selten ein so unbefriedigendes Ende gelesen. 
Wenn ich das Buch nicht für eine Leserunde bekommen hätte, hätte ich spätestens nach den ersten 50 Seiten abgebrochen. Und wer mich kennt, weiß, dass ich nur selten abbreche. 

Die Idee ist gut, die Geschichte soll zeigen, wie wir heutzutage im Zeitalter von "sozialen" Netzwerken mit dem Thema Identität umgehen, wie es unsere Wahrnehmung verändert hat, wie leicht es ist, die Identität eines anderen anzunehmen. Keine neue Idee, aber trotzdem eine aktuelle und gute. Die Umsetzung ist aber leider zum Einschlafen langweilig. 





2 von 5 Punkten

Cover 1 Punkt, Idee 1 Punkt, Plot 0 Punkte, Figuren 0 Punkte, Sprache 0 Punkte


~*~ Script5 ~*~ 349 Seiten ~*~ ISBN: 978-3-8390-0158-5 ~*~ Gebundene Ausgabe mit Schutzumschlag ~*~ 17,95€ ~*~ 17. Februar 2014 ~*~

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