Freitag, 14. November 2014

DUNKELSPRUNG - Leonie Swann

Quelle Goldmann


Zum Buch


Dunkelsprung erreichte mich als Überraschung von Goldmann und eigentlich hatte ich wenig Lust, es zu lesen. Leonie Swanns Glenkill hat mich thematisch nie interessiert und unter dieser neuen Geschichte konnte ich mir nicht viel vorstellen. Sie klang doch recht skurril und seltsam. Doch dann griff ich eines abends doch zu diesem Buch und schnupperte in die ersten Seiten hinein. Aus Seiten wurden Kapitel und aus Kapiteln wurde das halbe Buch an einem Abend. 

Ich vermag die Welt, die Swann in Dunkelsprung erschaffen hat, gar nicht richtig zu beschreiben. Grob gesagt ist es Fantasy, aber auf eine sehr spezielle, sehr schräge und sehr besondere Art. Wir folgen verschiedenen Figuren mit verschiedenen Zielen, deren Erzählstränge immer dichter mit einander verwoben werden. Da ist Julius, der Flohzirkusdirektor, der stolz darauf ist, dass er keinen Golddraht braucht, um seine Flöhe zu kontrollieren, sie tun freiwillig, was er sagt. Solange sie sein Blut bekommen. Doch dann sterben sie alle auf einmal in einer frostigen Nacht. Oder nicht? Die geheimnisvolle Elizabeth Thorn zeigt ihm, wie er die Flöhe zurück ins Leben holen kann. Die Flöhe sind eigenwillig und ich konnte mich nie richtig entscheiden, ob sie ich sie niedlich oder furchtbar gruselig finde, wenn sie ihr Blut tut gut Lied anstimmen. 

Die ersten phantastischen Elemente zeigen sich in Julius, der immer flohähnlicher wird, je öfter er seine Flöhe von sich trinken lässt. So richtig phantastisch wird es, als Julius beinahe ertrinkt und dort ein Meerfrau begegnet, die ihn zwingt, ihre Schwester zu retten. Die ist eine Gefangene des großen Zauberer Fawkes, der sich allerhand Fantasiegestalten für seine Zirkusshow hält. Bei seiner Suche nach der Meerjungfrau gerät Julius immer dichter in die Welt der Fantasiewesen. Sie begegnet einer Faunfrau, die Fawkes entkommen ist und ihre Freunde befreien will. Er trifft auf Thistle und Hunch, Widersacher, die für Fawkes arbeiten. Er landet bei einem Psychiater, der selbst unter Halluzinationen leidet und sich neuerdings ein grünes Wesen einbildet, das er Das Legulas nennt. Oder ist es gar keine Einbildung? 

Anfangs stolpert man vielleicht über den Untertitel Vielleicht kein Märchen, doch wie der Psychiater Green (oder Black?) weiß auch der Leser bald nicht mehr, was real ist und was sich die Figuren nur einbilden. Die Grenzen zwischen Realität und Fiktion verwischen, die Magie schleicht sich langsam ein und die eine oder andere Szene war so unwirklich, das ich nicht wusste, was davon nun wirklich passiert ist und was nicht. Besonders sticht da die Feder-und-Papier-Schlacht bei Rose hervor, die ich zweimal lesen musste. 

Man darf bei Dunkelsprung nicht erwarten, dass am Ende alles aufgelöst wird. Ich blieb mit einigen Fragezeichen zurück, was aber irgendwie zu diesem "Vielleicht kein Märchen" gepasst hat. Ich denke, wenn zum Schluss alles geklärt gewesen wäre, hätte Dunkelsprung etwas von seinem entrückten Zauber verloren. 

Leonie Swann hat einen außergewöhnlichen Roman geschaffen. Sie verwebt Elemente aus Detektivgeschichte und Phantastik zu einem Roman voller Magie, der den Leser sogar mit den cleveren Flöhen sympathisieren lässt - trotz des gruseligen Blut-Liedes.



5 von 5 Punkten

Cover 1 Punkt, Idee 1 Punkt, Figuren 1 Punkt, Plot 1 Punkt, Sprache 1 Punkt

~*~ Goldmann ~*~ 382 Seiten ~*~ ISBN: 978-3-442-31387-7 ~*~ Gebundene Ausgabe mit Schutzumschlag ~*~ 19,99€ ~*~ November 2014 ~*~

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen