Dienstag, 16. Dezember 2014

MOOS.FISCH.RINDE.BLATT - Brienza / Martni / Rathmeyer

Quelle Styria


Zum Buch



Moos.Fisch.Rinde.Blatt. Schon Titel und Cover deuten an, dass wir es hier nicht mit einem gewöhnlichen Kochbuch zu tun haben und die ersten Seiten, die man durchblättert, bestätigen diesen Eindruck. Selbstversorgerbücher und solche, die raten, möglichst viele Zutaten selbst zu ziehen oder zu sammeln gibt es mittlerweile viele. Aber bislang ist mir noch keines untergekommen, dass so künstlerisch anmutet wie dieses hier. 

 
~*~ ~*~ ~*~Aufmachung des Buches ~*~ ~*~ ~*~


Die Rezepte sind ausgefallen, die Zutaten teilweise sehr exotisch. Einiges bekommt man nicht, sofern man es nicht selbst anbaut. Die meisten, wenn nicht alle, Gerichte sind auch nicht für die Daily-Küche geeignet. Ich bin von diesem Buch auch weniger von seinen Rezepten denn von seinen Fotos fasziniert. Für mich ist es beinahe mehr kulinarischer Bildband denn Kochbuch.

Valentino Brienza und Luisa Martini bezeichnen ihre Art des Kochens als "Freestyle-Naturküche" und das trifft es ziemlich gut. Konkret heißt das, dass sie viel mit Naturmaterialien arbeiten, die man sich auf den ersten Blick kaum im Essen vorstellen kann. "Aus Moos wird Mayonaise? Flechten als Beilage?", heißt es in ihrem Vorwort und spätestens jetzt ist klar, wie ungewöhnlich ihre Rezepte sind. Das Prinzip dahinter ist denkbar einfach: "Schauen, was die Natur hergibt" und dabei möglichst nichts verschwenden. 

Die einzelnen Genusslandschaften, in die Moos.Fisch.Rinde.Blatt. gegliedert ist, werden durch ausdrucksstarke Fotografien, kleine Gedichte und Teasertexte eingeleitet. Insgesamt gibt es vier dieser Genusslandschaften: Wald, Wiese, Feld und Wasser. Dazu kommen einige Grundrezepte, ein Rezeptverzeichnis, einige Begriffserklärungen und eine Handvoll Making-Off-Fotos

Zur Aufmachung muss ich gar nicht mehr viel sagen, ich denke, meine Begeisterung über die Fotografien ist bereits deutlich geworden. Teller auf Felsen, im Moss oder in Bächen anrichten sieht nicht nur wunderschön aus, sondern passt auch prima zu ihrem Konzept. Die Farbkompositionen harmonieren fantastisch, alles sieht frisch und lecker aus und so künstlerisch, dass ich mich im Restaurant kaum trauen würde, es zu essen. 



~*~ ~*~ ~*~ Rezepte ~*~ ~*~ ~*~



Wie schon erwähnt sind die Rezepte sehr ausgefallen, die Zutaten vor allem im Winter nicht leicht zu bekommen. Die Namen der Gerichte bestehen aus den drei Hauptzutaten. So gibt es beispielsweise Forelle/Basilikum/Vogelbeere (156), Radieschen/Hanf/Klettenlabkraut (70), Ente/Vogelmiere/Holunderblüte (28) und Romanesco/Pulpo/Moos (42).

Zwei Rezepte habe ich ausgewählt, bei einem musste ich jedoch ein wenig mogeln, da ich nicht alles bekommen habe. Das erste ist recht einfach, sobald man das Hanfmehl bekommen hat: Schwarzbier-Roggenbrot (134). Im Rezept steht, dass man 100g Hanfmehl auf 100g Weizenmehl und 300g Roggenmehl verwenden soll. Die Menge habe ich reduziert, da auf de Packung des Hanfmehls ausdrücklich steht, der Anteil an Hanfmehl solle nicht mehr als 10% der Menge des "normalen" Mehls betragen. Das wären in diesem Fall maximal 40g Hanfmehl statt der angegebenen 100g. Das Brot haben wir, wie im Tipp erwähnt, mit Sonnenblumenkernen verfeinert. Frisch gebacken und noch leicht warm schmeckt es sehr lecker und auch am nächsten Tag war es noch fluffig und weich. Zur weiteren Haltbarkeit kann ich nichts sagen, denn nach zwei Tagen war es restlos aufgegessen. 



Rezeptt Nummer 2 ist ein Hauptgericht und hier musste ich etwas tricksen: Lamm/Buntes Gemüse/Malve (66). Das bunte Gemüse habe ich bekommen (wenn auch keine Mini-Auberginen sondern nur ene große) und auch das Lamm war kein Problem. Im Dezember frische Malvenblüten zu bekommen erwies sich als unmöglich, daher habe ich auf getrocknete zurückgegriffen. Und Malvenwurzel gibt es bei uns weder im Supermarkt, noch im Großhandel, noch im Internet. Nach langer Suche habe ich beschlosse, auf Schwarzwurzel auszuweichen. Das Gericht wird nicht sonderlich stark gewürzt, schmeckt aber vielleicht gerade deswegen sehr frisch. Das Gemüse haben wir nur kurz angebraten, damit es seinen Biss nicht verliert. Als Sätigungsbeilage haben wir Baguettebrot serviert. 

Die Gerichte waren lecker, aber für die tägliche Küche viel zu ausgefallen und manche Zutaten sind schwer zu bekommen, wenn man sie nicht selbst anbaut. Und auch dann dürfte es im Winter schwierig werden. In jedem Fall sind es besondere Gerichte, die man nicht mal eben kocht, sondern die man für besondere Gelegenheiten aufspart. 



~*~ ~*~ ~*~ Fazit ~*~ ~*~ ~*~



Ein wunderschön gestaltetes Kochbuch, dessen Fotos bald schon Bildbandqualität haben, mit über 60 ausgefallenen, naturverbundenen Rezepten, die einem einfachen Prinzip folgen: "Schauen, was die Natur hergibt". 


  4von 5 Punkten
Cover 1 Punkt, Aufmachung 1 Punkt, Rezepte 1 Punkt, Vielfalt 1/2 Punkt, Preis-Leistung 1/2 Punkt 

~*~ Edition Styria ~*~ 176 Seiten ~*~ ISBN: 978-3-99011-071-3 ~*~ Gebundene Ausgabe mit Schutzumschlag ~*~ 39,99€ ~*~ September 2014 ~*~ Format 23,0 x 32,0 cm ~*~
 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen