Montag, 9. März 2015

ICH UND MEIN ANDERES LEBEN - Katrina Leno

Quelle cbt

Zum Buch



Ich und mein anderes Leben ist schon der zweite Jugendroman über dissoziative Störungen innerhalb von einer Woche. Doch obwohl Katrina Lenos Geschichte und Scherbenmädchen ein ähnliches Thema behandeln, gehen sie ganz unterschiedlich damit um. Während in Scherbenmädchen das schonungslos dargestellte Rätsel um Kindesmissbrauch im Vordergrund steht, geht es in Ich und mein anderes Leben um ein Mädchen namens Molly, das aus unerfindlichen Gründen so traurig ist, dass es sich umbringen möchte. Zum Teil liegt das vielleicht, an den Blackouts, die sie immer wieder hat. Plötzlich wacht sie irgendwo auf, manchmal auch fahrend im Auto, und weiß weder, wie viel Zeit vergangen ist, noch wie sie dahin gekommen ist. Eines Tages sieht sie im Rückspiegel ihres Autos einen Motorradfahrer, der versucht, sie einzuholen - und dadurch bei einem Verkehrsunfall tödlich verletzt wird. Molly bleibt bei ihm, denn irgendetwas sagt ihr, dass sie ihn kennt - und er scheint auch sie zu kennen. 

Von diesem Moment an, als Lyle Avery stirbt und sie gezwungen ist, seinen Bruder Sayer zu kontaktieren, setzt sich alles nach und nach wie ein Puzzle zusammen. Ein Puzzle, dessen Teile jeder außer Molly zu kennen scheint und das nur sie allein lösen kann. 

Ich und mein anderes Leben ist kein Thriller wie Scherbenmädchen, aber trotzdem fesselt es den Leser auf eine bedrückende Art. Mollys Melancholie - so nennt die Mutter es - ist für den Leser greifbar und sensible Gemüter sollten Taschentücher parat halten. Diese bedrückende Atmosphäre, die sich durch das ganze Buch zieht, ist ansteckend. So sehr, dass ich es nicht in einem Zug lesen konnte. Was zum Teil vielleicht auch daran lag, dass es recht anstrengend und wirr ist. Wenn Molly in den Erinnerungen hin und her springt ist es manchmal schwer auseinander zu halten, wer sie gerade ist und ob sie sich im Hier und Jetzt oder in einer Erinnerung befindet. Ich denke, das hätte man etwas geschickter umsetzen können, weil diese Verwirrung nicht zur Spannung beiträgt, sondern wirklich nur anstrengend ist. Der Schreibstil im Allgemeinen ist etwas speziell, besonders in den Dialogen. Diese sind nicht rhetorisch ausgefeilt, sondern klingen wie echte, mitgeschriebene Gespräche unter Jugendlichen. Holpig, teilweise zusammenhanglos, wiederholend, manchmal nichtssagend. Es sind keine Reden, an denen lange gefeilt wurde, wie in vielen anderen Romanen, stattdessen klingt es echt und authentisch. 

Ich weiß noch nicht, ob ich es gut fand. Was ich sagen kann, ist, dass es mich mitgerissen hat, dass es ein sehr trauriges Buch ist und dass Mollys Geschichte mich nachdenklich gemacht hat. Das muss für's erste reichen. 



4 von 5 Punkten

Cover 1 Punkt, Idee 1 Punkt, Plot 1/2 Punkt, Sprache 1/2 Punkt, Figuren 1 Punkt

~*~ cbt ~*~ 253 Seiten ~*~ ISBN: 978-3-570-30985-8 ~*~ Taschenbuch ~*~ 7,99€ ~*~ März 2015 ~*~

 

Kommentare:

  1. Huhu,

    ich scheue mich momentan solche Bücher zu lesen, weil mir die Emotionen immer so dermaßen nahe gehen, dass ich ein bisschen Zeit brauche, um das ganze zu verarbeiten.... :/
    Aber das Buch hört sich echt gut an und das Cover sieht einfach nur Hammer aus!

    Liebste Grüße

    Sonja LovinBooks

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  2. Das Buch klingt wirklich gut. Danke für deine Rezension :-).

    Liebe Grüße,
    Vanessa

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