Mittwoch, 21. Oktober 2015

TRAINING FÜR DIE FASZIEN - Divo G. Müller & Karin Hertzer

Quelle südwest

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Heute wird es sportlich bei Books and Biscuit. Die Faszien gelten als wichtiges, aber lange Zeit in der Sportforschung vergessenes Organ. Sie sind für straffes Bindegewebe verantwortlich - also dafür, ob man (/frau) Cellulite, Winkeärmchen und einen Hängepo hat oder eben nicht. Obwohl Faszien nicht nur Frauen betreffen sondern auch Männer, scheint das Buch in seiner knallig pinken Aufmachung doch eher die weiblichen Leser anzusprechen. 

Quelle und Copyright: Divo G. Müller & Karin Hertzer / südwest
Training für die Faszien ist einerseits ein Art medizinischer Ratgeben. Der Theorieteil erstreckt sich über 4 Kapitel, die noch einmal in zahlreiche Unterkapitel unterteilt sind. Es geht um das Organ Faszie an sich, wie es aussieht, wofür es da ist, wie gesunde und wie verklebte Faszien aussehen. Welche Auswirkungen Stress haben und wie wichtig tägliche Bewegung ist. Wie man erkennt, ob man ein Tempeltänzer oder ein Wikingertyp ist - und was der Unterschied ist. Welche Rolle die Wasseraufnahme beim Faszientraining spielt und wie wichtig Ernäherung ist. Welche Lebensmittel gut für die Faszien sein können, welche zu Entzündungen führen können. Welche Hilfsmittel es zum Training gibt. Wo die sieben wichtigsten Faszienketten sitzen.
Es ist sehr umfangreich und gut erklärt. Viele Abbildungen (mal Zeichnungen, mal Fotografien) lockern das Layout auf und geben einen guten Überblick.

Andererseits ist ein Buch mit Übungen. Die beiden Autoren stellen ein Training vor, dass sie für optimal erachten. Sie sagen auch, dass Rückenschmerzen aus zu schlecht trainierten Faszien resultieren können. Oder anders formuliert: wer in seinem Alltag viel sitzt und dabei öfter unter Rückenschmerzen leidet, der sollte nach Müller/Hertzer etwas für seine Faszien tun. 

Die Autoren unterteilen das Faszientrainning in vier Kategorien: "das elastische Feder, das fasziale Release, das sensorische Verfeinern und das fasziale Dehnen" (92). 
Die Übungen sind sowohl in Schrift wie auch Bild erklärt, was ich sehr gut finde. Die Bilder sind nummeriert, ebenso wie die passende Anleitung dazu. Zu jeder Übung wird auch immer angegeben, we viele Wiederholungen für Anfänger und wie viele für Fortgeschrittene geeignet sind. Zwischen den Übungen finden sich auch immer wieder theoetische Abschnitte die erklären, was die Übungen bewirken, für welchen Typ sie gedacht sind, was man falsch machen kann. 
Ich muss gestehen, dass nicht alle Anweisungen verstanden habe. Die Brust öffnen kann ich mir noch herleiten. Aber wie spanne ich meinen "großen Zeh, mein kleinen Zeh und die Außenkante des Fußes bis an die Ferse vor"? (108). Also, was bedeutet "vorspannen"? Wie ziehe ich meinen Unterbauch "flächig nach außen in Richtung Lendenwirbelkette"? (109). 

Quelle und Copyright: Divo G. Müller & Karin Hertzer / südwest
Ein bisschen schade finde ich, dass man für die meisten Übungen "Tools" benötigt. Ich bevorzuge ein Training, für das ich nicht erst ein Heiden Geld ausgeben muss und für das ich ein ganzes Zimmer brauche, um alle Materialien unterzubringen. Für manche Übungen braucht man eine frei stehende Wand, gegen die man einen Ball werfen kann oder gegen die man sich fallen lassen kann. Die gibt es weder bei mir noch in dem Sportstudie, das ich regelmäßig besuche. Auch Platz für ein Springseil habe ich Zuhause nicht. Am praktischsten - und preisgünstigsten - sind für mich also die Übungen, für die ich "nur" eine dünne Matte und eine halb gefüllte Wasserflasche oder einen Stuhl brauche. Laut einem befreundeten Sporttrainer kostet eine gute Faszienrolle mit gerillter Oberfläche um die 90€ und das ist nur eines von den 16 vorgestellten Tools. Dazu kommen unter anderem ein großer Gymnastikball, ein ATX-Softball, ein Fitnessband, ein großer und ein kleiner Dioball, ein Overball, ein Saugmasse-Glas, Gewichtsmanschetten, Hanteln und und und. Wer also wirklich alle Übungen aus dem Buch machen möchte, um sich ein abwechslungsreiches Training zusammenzustellen, der muss vorher eine ordentliche Stange Geld in die Hand nehmen und vorher prüfen, dass er auch geeignete Räumlichkeiten hat. 

Im Anschluss an das Training - besonders gut finde ich die zusammengestellten Trainingseinheiten für unterschiedliche Ziele (Arme und Brust, straffe Oberschenkel, etc) - finden sich Bezugsadresse für die Tools sowie Trainervorschläge für diejenigen, die nicht ohne Aufsicht trainieren wollen.

Noch bin ich hin und her gerissen. Einerseits stören mich die vielen Geräte und den Platz, den man für einige Übungen braucht. Für eine Studentin wie mich nicht gerade eine ideale Ausgangssituation. Andererseits gefällt mir, dass man einiges Zuhause machen kann, dass man also keinen monatlichen Studiobeitrag bezahlen muss - sofern man eben den Platz und die Geräte hat. Das Konzept, das Bindegewebe durch das Training zu straffen, ist auch ansprechend. Ob es auch tatsächlich funktioniert, kann ich noch nicht sagen. Das werde ich dann nachholen, wenn ich einige Monate lang trainiert habe. Für den ersten Eindruck gibt es also vorläufig folgende Punkte:



~*~ südwest ~*~ 192 Seiten ~*~ 120 farbige Fotos und Abbildungen ~*~ ISBN: 978-3-517-09387-1 ~*~ Paperback ~*~ 19,99€ ~*~ 31. August 2015 ~*~

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