Samstag, 14. November 2015

DIE ERSTAUNLICHE WIRKUNG VON GLÜCK - Susann Rehlein

Quelle Dumont


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Dorle ist Mitte zwanzig, wohnt im Keller eines Mietshauses und erfüllt pflichtbewusst die Aufgaben der alten Concierge, weil dieser Titel noch immer an ihrem Klingelschild steht und alle sie für die neue Concierge halten. Für ihren Job muss sie nicht aus dem Haus gehen, sie verdrahtet Kristalle für Kristtallleuchter; das Material dafür bringt ihr der aufgedrehte Joe vorbei. Sie meidet Menschen, lebt allein, wurde noch nie geküsst. Bislang hatte Dorle auch kein Problem damit, sie putzt gerne, ist am liebsten allein und den einzige Mann, der in sie verliebt ist, erträgt sie nicht in ihrer Nähe. Für Dorle könnte es immer so weiter gehen, doch die aufgeweckte Frau Sonne aus dem fünften Stock macht ihr einen Strich durch die Rechnung. Sie muss aus gesundheitlichen Gründen für drei Monate verreisen und Dorle bekommt 6000€, wenn sie so lange in Frau Sonnes riesiger Wohnung lebt und jeden Tag Aufgaben erfüllt. Klangschalentherapie für die Pflanzen. Sich um den Kater kümmern. Hefezöpfe backen und Limonengelee kochen. Zur Massage gehen. Ins Fitnessstudio gehen. Menschen treffen. Dorle ist völlig überfordert mit all dem Leben, dem sie plötzlich gegenübersteht, als Freunde reichen ihr der Kater, ein ausgestopfter Wolpertinger und gelegentliche Telefonate mit Joe. Telefonate, bloß keine Gespräche von Angesicht zu Angesicht. Aber Stück für Stück lässt Dorle sich auf die Veränderungen ein und spürt, wie sie süchtig wird. Süchtig nach dem Leben.
Die erstaunliche Wirkung von Glück ist so eigensinnig wie seine Figuren und sein Schreibstil. Dorle, ihre Gedanken, was sie erlebt, das alles mutet etwas befremdlich an, was durch den gewöhnungsbedürftigen Schreibstil nur noch verschärft wird. Zwischendurch hat der Roman trotz seiner geringen Seitenzahl einige Längen, weil sich viele Abläufe immer und immer wiederholen. Dorle schläft viel, hört ständig die Klangschalentherapie, geht einkaufen, schmust mit dem Kater, verändert die Position des Wolpertingers. Sie erträgt es kaum, angefasst zu werden. Manchmal wirkt sie leicht authistisch auf mich. Ich konnte mit ihr nicht viel anfangen. Ab und an bemerkt man leichte Veränderungen in ihrem Verhalten, die sich gegen Ende hin steigern. Leider ist das Ende von Anfang an absehbar und zwar in einem Ausmaße, dass sich mir der Sinn des Romans nicht erschließt. Vom ersten Satz an folgt er einer klar erkennbaren Linie, von der er kein einziges Mal abweicht. Es gibt keinerlei Überraschungen. Dazu kommt, dass mir keine der Figuren ans Herz gewachsen ist. Dorle ist furchtbar nervig, ich wollte sie ständig schütteln und wachrütteln - bis ich es irgendann aufgegeben habe und dachte: "Dann mach doch, aber bleib auch bei dieser Meinung". Die anderen Figuren sind alle recht einseitig beschrieben, ihnen fehlt der Tiefgang. Henriette Schräubchen ist furchtbare Frau die mit den rosa Haaren, Joe ist der Hyperaktive, Frau Bock spielt Ordnungsamt im Haus, Herr von Stottow ist der unglücklich verliebte Rentner.

Um die Rezension schreiben zu können, habe ich ihn zuende gelesen - vielleicht hatte ich auch die Hoffnung, überrascht zu werden. Müsste ich sie nicht schreiben, hätte ich nach dem ersten Drittel abgebrochen und vielleicht nur noch die letzten zwanzig Seiten gelesen, um zu sehen, ob es tatsächlich so endet, wie ich dachte. Tut es. Mir fehlt nach Beenden der Lektüre das gewisse "Aha!"-Erlebnis; eine Belohnung dafü, bis zum Ende durchgehalten zu haben, obwohl ich schon vorher wusste, wie es ausgehen wird. Eine Erkenntnis, ein Twist im Plot, etwas zum Nachdenken, eine Pointe. Irgendetwas. Falls es das gibt, habe ich es nicht bemerkt. Stattdesse bleibe ich enttäuscht und etwas ratlos zurück. Schwergängiger Schreibstil, eigensinnige Figuren, langweiliger Plot. Ich mag ungewöhnliche, eigensinnige Geschichten. Aber nur, wenn sie nach meinem Empfinden auch gut geschrieben sind, wenn mich der Plot nicht langweiligt und wenn die Figuren durch Komplexität überzeugen. Vermutlich ist es Geschmackssache, aber für mich ist Die erstaunliche Wirkung von Glück der Flop des Monats, denn meiner Ansicht nach erfüllt es all diese Kriterien nicht.



2 von 5 Punkten

Cover 1/2 Punkt, Idee 1 Punkt, Plot 0 Punkte, Figuren 1/2 Punkt, Sprache 0 Punkte

~*~ Dumont ~*~ 318 Seiten ~*~ ISBN: 978-3-8321-9806-0 ~*~ Gebundene Ausgabe mit Schutzumschlag ~*~ 18,00€ ~*~ 15. Oktober 2015   

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Kommentare:

  1. Mir ging es ähnlich wie dir....leider! Dabie hörte sich der Klappentext so toll an und ich mag auch Bücher dieser Art sehr....das war leider bei "Die erstaunliche Wirkung von Glück" nicht der Fall...
    Liebe Grüße
    Martina

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  2. Ich bin so froh, dass ich dem Buch scheinbar nicht Unrecht tue, wenn ich es für "schwierig" halte. Mir geht es da ganz wie dir. Ich bekam überhaupt keinen Zugang und hätte ich es nicht im Rahmen einer Rezension gelesen, hätte ich es sicher auch weggelegt. Es überzeugt mich leider so gar nicht, dabei klang der Klappentext so schön.

    Sehr schade, wenn du mich fragst. Aber auch ein guter Beweis dafür, dass Bücher einfach Geschmacksache sind!

    Liebe Grüße

    EsKa

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