Donnerstag, 4. Februar 2016

DER GOLDENE SCHWARM - Nick Harkaway

Quelle Knaus


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Ich sitze schon eine ganze Weile an dieser Rezension. Ich hatte schon angefangen, den Inhalt zusammenzufassen, als ich immer wieder dachte "Na, das ist aber auch noch wichtig. Und das auch. Und das auch." Und dann dachte ich: "Ne, das kannst du nicht machen, das ist viel zu lang." Also habe ich angefangen zu kürzen, aber das ging auch nicht, also habe ich alles wieder gelöscht und fange jetzt wieder bei Null an. Man kan den Inhalt von Der goldene Schwarm einfach nicht so zusammenfassen, dass man auch wirklich das Gefühl hat, ihm gerecht zu werden. Dafür ist er viel zu komplex. Das ist, als würde man mit einer Freundin eine Folge in Staffel 5 der Lieblingsserie anschauen, doch die Freundin kennt die Serie nicht, und man müsste ihr nun erklären, warum der Dialog gerade so witzig war. Das geht einfach nicht in einem Absatz. 

Also versuche ich es anders. Der Schreibstil ist anfangs etwas gewöhnungsbedürftig, weil er sich wie mit einem Augenzwinkern geschrieben liest. Es ist, als lausche man einem leicht angeheiterten Erzähler, wie er die Geschichte mit einer Spur Lächerlichkeit erzählt. Aber wirklich nur einer Spur, die den Leser zum Schmunzeln brint. Ich bekam auf den ersten Seiten den Eindruck, dass sich dieses Buch selbst nicht ganz ernst nimmt, aber vielleicht macht genau das den Charme aus. Vielleicht ist das Teil des britischen Humors, der zwischen den Seiten steckt. Ich fürchte allerdings, dass einiges von diesem Humor beim Übersetzen verloren gegangen ist, weil die Wortwitze sich in der deutschen Übersetzungen ein bisschen zu gewollt lesen. Auf Dauer wird dieser Schreibstil auch recht anstrengend, Der goldene Schwarm gehört nicht zu den Büchern, die ich in zwei oder drei Nächten (geschweige denn einer) lesen kann. Andererseits gibt es für diese Geschichte wohl keinen passenderen Stil. 

Der Plot wird noch komplexer dadurch, dass er in zwei Zeitebenen spielt. Zum einen der Gegenwart, in der sich die Ereignisse überschlagen, und dann immer wieder in der Vergangenheit. Diese Sprünge schaffen leider nicht nur Atempausen, sie rissen mich auch regelmäßig aus dem Geschehen. So manches Mal hatte ich meine Schwierigkeiten nach einem Ausflug in die Vergangenheit wieder ins gegenwärtige Geschehen zurückzufinden. Der goldene Schwarm ist ganz eindeutig nicht als U-Bahnbuch oder "Ich hab grad Lust auf ein Kapitel"-Buch gedacht, dazu ist er zu kompliziert. Es ist ein Buch, auf das man sich einlassen muss und für das man in der richtigen Stimmung sein muss, dann ist es großartig. Ein Genremix, der voller neuer Ideen steckt und mich immer wieder überrascht hat. 



5 von 5 Punkten

Cover 1 Punkt, Idee 1 Punkt, Figuren 1 Punkt, Plot 1 Punkt, Sprache 1 Punkt

~*~ Knaus ~*~ 608 Seiten ~*~ ISBN: 978-3-8135-0534-4 ~*~ Paperback ~*~ 19,99€ ~*~ Aus dem Englischen von André Mumot ~*~ 10. März 2014 ~*~




 

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