Montag, 29. Februar 2016

DES TAUCHERS LEERE KLEIDER - Vendela Vida

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Du begibst dich nach einer unschönen Trennung von deinem Mann nach Casablanca, doch kaum im Hotel angekommen, wird dir dein Rucksack geklaut. Darin ist alles, was dich ausmacht: dein Geldbeutel, deine Kreditkarten, dein Reisepass, dein Personalausweis, dein Handy. Du hast nichts mehr, auf dem dein Name steht, nichts, mit dem du beweisen könntest, dass du du bist. Du bist überzeugt, dass die Polizei dir nicht helfen will, weil sie mit dem Dieb und dem Hotel unter einer Decke steckt. Statt in der Botschaft alles zu klären und wieder nach Hause zu fliegen, nimmst du die Identität von jemand anderem an. Von einer Fremden, von einer Bekannten, von deiner Nichte, bis du diejenige gefunden hast, die zu dir passt. Doch wer ist das? Du wirst ein neuer Mensch. Und plötzlich spielst du in einem Film mit, an der Seite einer berühmten amerikanischen Schauspielerin, plötzlich wirst du zu privaten Partys eingeladen und darfst auf Konzerten Backstage gehen. Aber die Schatten deiner Vergangenheit scheinen dir trotzdem bis nach Casabblanca zu folgen und du musst sie endgültig abschütteln, um endlich deine neue Identität annehmen zu können. 

Eigentlich habe ich eine ziemlich starke Abneigung gegen Du-Perspektiven. Es ist die einzige, bei der es mir bislang nie gelungen ist, zu vergessen, dass ich lese. Ich konnte bislang bei einer solchen Perspekte nie in die Geschichte eintauchen, weil das Du mich immer daran erinnert hat, dass ich gerade lese,  dass ich nur ein paar Buchstaben auf Papier vor mir habe. Es ist ein Gedankenspiel, auf das einzulassen mir schwer fällt, denn immer wieder erwische ich mich dabei zu denken "So würde ich mich aber gar nicht entscheiden, was für ein Schwachsinn."

Auch bei Des Tauchers leere Kleider hatte ich anfangs und auch immer wieder zwischendrin dieses Problem. Vor allem, wenn die Protagonistin sich mal wieder völlig paranoid und irrational verhält, was nicht selten der Fall ist. Aber komischerweise ist mir bei diesem Buch etwas passiert, das ich noch nie bei einer Du-Perspektive erlebt habe: ich konnte alles ausblenden und vollkommen in die Geschichte eintauchen. Zeitweise. Ungefähr ab der Hälfte des Romans habe ich mir vorgestellt, wie es wäre, wenn er in einer Ich- oder einer Er-/Sie-Perspektive geschrieben wäre, aber das hat nicht funktioniert. Vendela Vida hat genau richtig entschieden, denn so ungewöhnlich die Du-Perspektive auch ist, sie ist die einzige, die gepasst hat. Und vermutlich ist die Perspektive auch das, was Des Tauchers leere Kleider so besonders macht, denn der Plot ist es ganz sicher nicht. Der ist sehr simpel und dazu voller Klischees, das Ende bleibt offen und war für mich recht unbefriedigend.

Ich bin etwas unschlüssig, was ich von Des Tauchers leere Kleider halten soll. Es hat mich gut unterhalten; die Geschichte an sich ist zwar nichts Besonderes, aber ganz nett, und die Du-Perspektive hat ihm das gewisse Etwas verliehen. Andererseits fangen die Figuren und Geschehnisse schon jetzt, nach einer Nacht, an zu verblassen und bald werde ich mich kaum noch oder gar nicht mehr an den Inhalt erinnern können. Des Tauchers leere Kleider macht Spaß, aber es ist kein Roman, der mir im Gedächtnis bleiben wird. Er bietet nette Unterhaltung für einige Stunden. Aber nicht mehr. 




3,5 von 5 Punkten

Cover 1 Punkt, Idee 1 Punkt, Plot 1/2 Punkt, Figuren 1/2 Punkt, Sprache 1/2 Punkt

~*~ Aufbau ~*~ 252 Seiten ~*~ ISBN: 978-3-351-03629-4 ~*~ Gebundene Ausgabe mit Schutzumschlag ~*~ 19,95€ ~*~ Ins Deutsche von Monika Baark ~*~ 12. Februar 2016 ~*~  





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