Samstag, 9. April 2016

HIMMELSTRAND - John Ajvide Lindqvist

Quelle Lübbe
 

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Olof und Lennart. Carina, Stephan und Eric. Isabell, Peter und Molly. Donald und Majvor. Benny und Maud. Zehn Menschen, ein Beagle und eine Katze, die nachts auf einem gut gefüllten Campingplatz am See einschlafen und am nächsten Morgen woanders wieder aufwachen. Sie wissen nicht, wo oder was genau dieses woanders ist. Laut Navi sind sie immer noch da, wo sie tags zuvor eingeschlafen sind; zumindest solange, bis sie ein Stückchen fahren und das Navi plötzlich Orte anzeigt, die  sie unmöglich in so kurzer Zeit erreicht haben können. Nichts ist mehr so, wie es zuvor war. Sie sind alleine. Ihre Campingwagen und Autos sind noch da, aber alles andere ist verschwunden. Der Campingplatz, die anderen Menschen, der See, die Tiere, ja sogar die Sonne. Es gibt nur noch sie, ein endloses grünes Feld auf Erde, die nach Blut riecht, und einen endlosen blauen Himmel. 

Als sich die ersten auf der Gruppe auf den Weg machen, das Feld zu erkunden und etwas zu finden, erkennen sie, dass das so nicht stimmt. Sie sind nicht allein. Da sind auch noch die Weißen. Die, die Blut wollen. Da sind dunkle Erinnerungen, die sich vor ihnen manifestieren. Da ist etwas, das das Schlimmste in ihnen an die Oberfläche holt. Und obwohl sie sonst keinen Kontakt zur Außenwelt haben, dringt ein Teil der Welt zu ihnen herein: die Musik von Peter Himmelstrand. 

John Ajvide Lindqvist wird als schwedischer Stephen King bezeichnet und bis zur ersten Hälfte des Buches konnte ich auch verstehen, warum. Ein distanzierter Schreibstil, der mir keine emotionale Bindung zu den Figuren erlaubt hat, aber trotzdem neugierig auf die Auflösung macht. Eine vage, nicht greifbare Bedrohung. Viele Rückblenden in die Vergangenheit der Figuren. Was aber bei Stephen King kommt, wenn man sich durch den zähen Anfang gebissen hat, ist der Horror. Manchmal blutig, manchmal psychologisch, manchmal nicht mehr als ein Gefühl. Bei King kommt er irgendwann. Bei Lindqvist nicht. Mein Antrieb, bis zum Ende zu lesen, war wissen zu wollen, wo sie gelandet sind, was mit ihnen passiert ist, wer die Weißen sind. Mein Antrieb war, eine Gänsehaut spüren zu wollen und Antworten auf die offensichtlichen Fragen zu bekommen. Sind sie tot und im Limbus gelandet? Träumen sie? Können sie wieder in ihr Leben zurück oder nur in ein anderes Totenreich? Ist es eine Belohnung, eine Bestrafung? Ist die Dunkelheit der Weg hinaus oder der tiefer hinein? Im Laufe der Geschichten kamen immer mehr solcher Fragen, aber wirklich beantwortet wurde keine. Oder wenn, dann so subtil, dass ich die Antworten weder gesehen noch verstanden habe. 

Ich habe unfassbar lange gebraucht, dieses Buch durchzulesen, weil es mich einfach nicht gepackt hat. Ich konnte nicht einmal die Figuren auseinander halten. Wer war noch mal mit wem zusammen und hatte welches Kind? Was wurde uns aus seiner und ihrer Vergangenheit bereits erzählt? Wer war noch mal der Fußballer, wer der mit dem Blutmannvater? Für mich blieben sie alle furchtbar blass. Die einzige für mich interessante Figur war Molly und auch die Erklärung, warum sie ist wie sie ist war mehr als unbefriedigend vage. 'Vage' ist überhaupt das Wort, das diesen Roman am besten beschreibt. Alles ist vage: die Figuren, die Atmosphäre, das endlose Feld, die Weißen, die Rolle des Blutes, die Pfade, die Dunkelheit, der Säureregen. Nicht einmal die albtraumhaften Erinnerungen der Figuren konnten mich berühren, keines dieser Schicksale, weder in ihrer Vergangenheit noch auf dem Feld, hat auch nur die geringste Emotion bei mir ausgelöst. Halt, das stimmt nicht, eine Emotion war da: Langeweile.

Meine anfängliche Vorfreude wurde schnell zu Enttäuschung. Die Geschichte hat mich auf keiner Ebene berührt und wird sehr schnell wieder aus meinem Gedächtnis verschwunden sein. 




2,5 von 5 Punkten

Cover 1 Punkt, Idee 1 Punkt, Plot 0 Punkte, Figuren 0 Punkte, Sprache 1/2 Punkt 

~*~ Lübbe ~*~ 493 Seiten ~*~ ISBN: 978-3-404-17316-7 ~*~ Paperback ~*~ 12,99€ ~*~ 11, März 2016 ~*~ Übersetzt von Thorsten Alms ~*~

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