Montag, 2. Mai 2016

DER KELLER - Minette Walters

Quelle Goldmann

Zum Buch

Muna ist ein Geheimnis. Mit acht Jahren wurde sie gestohlen und wuchs, ohne zu wissen, wer ihre Eltern sind, im Haus der Familie Songolis in England auf. Ihre neue Familie ist grausam und behandelt sie wie eine Sklavin. Muna schläft im stockfinsteren Keller auf einer Matratze, wo der Mann sie nachts vergewaltigt. Ihre 'Mutter' Yatunde muss sie mit 'Prinzessin' anreden, ihren 'Vater' Ebuka mit 'Master'. Jahrelang sind die Songolis mit ihrem Geheimnis davongekommen. Doch dann verschwindet Abiola, der jüngere Sohn der Familie, und plötzlich wimmelt das Haus der Songolis vor Polizei. Muna bekommt ein Kleid angezogen, die Matratze im Keller verschwindet und sie muss so tun, als würde sie ihre 'Familie' lieben. Sie spielt die geistig behinderte Tochter, die schüchtern ist und nur Haussa spricht. Was ihre 'Familie' nicht weiß: jedes Mal, wenn der Sohn zuhause Englichunterricht bekam, hat sie heimlich zugehört - und geübt. "Mein Name ist Muna. Ich werde hier gefangen gehalten." Jeder hält sie für dumm und ungebildet, aber Muna ist ein cleveres Kind und sie wil sich rächen.


Der Keller ist mein erster Titel von Minette Walters und mir gefällt, wie sehr sie sich auf das Wesentliche beschränkt. Kein langes Vorgeplänkel, keine füllenden Perspektivenwechsel oder Zeitsprünge, keine verschönenden Umschreibungen. Sie beschreibt Munas 'Leben', das von Leid und Missbrauch geprägt ist, ich einem knappen, nüchternen, aber deutlichen Ton. Sie zeichnet ein Bild des Grauens, das zum Glück - hoffentlich! - in der Realität eine Seltenheit geworden ist. Eine afrikanische Familie in Europa hält sich ein gestohlenes Sklavenmädchen, das sie nach ihrem Belieben kommandieren, misshandeln und missbrauchen können. 
Immer wieder behaupten andere - und auch Muna selbst - sie habe einen Hirnschaden, doch im Verlaufe des Buches zeigt sich, dass sie zwar eine emotionale Störung hat, aber ganz sicherlich nicht dumm ist. Ihr Plan ist perfide und zeigt deutlich, welchen Lebensstil die Songolis ihr vorgelebt haben. Nach und nach nimmt sie sich, was sie will und überzeugt dabei alle durch ihre schauspielerischen Künste, ihre rhethorischen Fähigkeiten und ihre schnelle Auffassungsgabe. Der Roman zeigt, welche Auswirkungen eine solche Kindheit auf die menschliche Psyche hat. Stephen Kings Carrie kann wohl kaum schockierender sein.


3,5 von 5 Punkten

Cover 1 Punkt, Idee 1 Punkt, Plot 1/2 Punkt, Figuren 1/2 Punkt, Sprache 1/2 Punkt

~*~ Goldmann ~*~ 224 Seiten ~*~ ISBN: 978-3-442-48432-4 ~*~ Taschenbuch ~*~ 9,99€ ~*~ 18. April 2016 ~*~ Aus dem Englischen von Charlotte Breuer, Norbert Möllemann ~*~ 

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