Dienstag, 10. Mai 2016

SCHÖNE MÄDCHEN BRENNEN NICHT - Lynn Weingarten

Quelle Fischer Verlage

Zum Buch



Delia und June haben sich seit dieser einen Nacht im November auseinander gelebt. Einst waren sie beste Freundinnen, unzertrennlich, aber nach und nach schlug Delia einen Lebensweg ein, der June nicht gefiel, und sie löst die innige Verbindung, bevor Delia sie mit sich reißen konnte. Ein Jahr lang hatten sie kaum Kontakt zueinander und June ging es gut. Doch jetzt ist Delia tot und plötzlich ist alles anders. June erinnert sich an all ihre gemeinsamen Momente, an ihre Höhen und Tiefen und ihr ist klar: Delia hat unmöglich Selbstmord begangen. Unmöglich hat sie, die Feuer am meisten auf der ganzen Welt fürchtet, sich selbst verbrannt. Und June hat recht. Es ist nicht so, wie alle denken oder alle denken sollen. Es ist aber auch ganz anders, als sie selbst denkt.

Nach ihrem Tod treibt Delia June dazu, alles zu hinterfragen, an das sie geglaubt hat. Welche Rolle spielt Junes Freund Ryan bei Delias Selbstmord? Hatten sie eine Affäre? War Delia schwanger? Oder war das Kind von Delias Freund Jeremiah? Oder doch von ihrem Stiefvater? Oder war sie gar nicht schwanger? Nach und nach tauchen immer mehr Abschiedbriefe auf, jeder verdächtigt jeden und dann, als June denkt, der Lösung nahe zu sein, kommt alles ganz anders. 
 
Die Freundschaft zwischen Delia und June schien perfekt. Sie verstanden sich so gut, dass es auf Außenstehende wie eine romantische Beziehung wirkte. Sie kannten die Gedanken des anderen so gut, als wären es ihre eigenen. Aber ihre Freundschaft war ein bisschen ZU innig, ZU vertraut. Delia brauchte June wie die Luft zum Atmen und umgekehrt. Und immer wieder schwang eine gewisse Boshaftigkeit in ihrer Liebe zu June mit. Wollte sie June ganz für sich alleine? Oder wollte sie sie zerstören? 

Der Thriller wird zunächst aus der Ich-Perspektive von June geschrieben. Dazu kommen immer wieder Rückbledenen im personalen Erzähler, die von Ereignissen aus der gemeinsamen Zeit von Delia und June berichten. Je besser man Delia kennenlernt, desto naiver und unschuldiger erscheint June und desto stärker wird der Drang, sie zu warnen. Sie zu retten. 

Schöne Mädchen brennen nicht ist ein grandioser Jugend-Thriller, der selbst Erwachsenen gefallen könnte, weil er so unvorhersehbar ist. Glaubt man, eine Ahnung zu haben, in welche Richtung sich die Geschichte entwickelt, wird man im nächsten Moment völlig überrascht. Dazu kommt dieses schleichende Grauen, wenn das Ausmaß des Ganzen nach und nach enthüllt wird; Schicht für Schicht, als würde man eine Zwiebel schälen, bis man weinend vor dem Kern sitzt. 

Den einzigen Minuspunkt gibt es für das Ende, das ein bisschen zu offen ist und das keine so große Überraschung ist, wie ich es bei dem restlichen Roman erwartet hätte. Es liest sich ein bisschen so, als hätte die Autorin keine richtige Idee gehabt, die Geschichte zuende zu bringen. Es gibt die eine oder andere Unstimmigkeit - warum hat NAME (aus Spoilergründen unbenannt) das getan, was ist die Verbindung zu der Person, die sie liebt? - und anderes wird zu schnell abgehandelt. Manche Figuren verschwinden völlig klanglos von der Bildfläche. Die letzten 50 Seiten wirken sehr unausgereift, was angesichts des sonst so spannenden Jugend-Thrillers sehr schade ist. 
 

 

4,5 von 5 Punkten

Cover 1 Punk, Idee 1 Punkt, Plot 1/2 Punkt, Figuren 1 Punkt, Sprache 1 Punkt

~*~ Sauerländer ~*~ 384 Seiten ~*~ ISBN: 978-3-7373-5383-0 ~*~ Paperback ~*~ 12,99€ ~*~ 22. März 2016 ~*~ Aus dem Englischen von Leo H. Strohm ~*~

 

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