Donnerstag, 25. August 2016

WONDERLAND - Christina Stein

Quelle Fischer

Zum Buch


 ~*~*~*~*~*~*~*~ INHALT ~*~*~*~*~*~*~*~

"Thailand. Sonne, Palmen, eine Villa direkt am Strand. Der perfekte Urlaub! Doch als Lizzy am Morgen nach einer Strandparty aufwacht, ist sie gefangen. Mitten im Dschungel, mit ihren besten Freunden – und mit Jacob. Jacob, den keiner von ihnen richtig kennt, und der sie auf diese verdammte Strandparty eingeladen hat. Nur wegen ihm sind sie in einem Reality Game gelandet, in dem es nur schwarz oder weiß gibt, verlieren oder gewinnen, opfern oder geopfert werden.
Wer sind die Player in diesem Spiel? Was haben sie vor? Und welche Rolle spielt eigentlich Jacob? Lizzy hat keine Ahnung. Sie weiß auch nicht, wie lange sie ohne ihre Herzmedikamente überleben kann. Sie weiß nur eines: Die Gruppe muss bis morgen entscheiden, wer von ihnen das nächste Opfer sein wird … "

 ~*~*~*~*~*~*~*~ MEINE MEINUNG ~*~*~*~*~*~*~*~

Wonderland bietet eine spannende, aber keinesfalls innovative Idee. Man denke nur an Bücher wie Die Tribute von Panem oder Filme wie The Cube. Menschen, die gegen ihren Willen in einer Art Arena eingesperrt sind und gegeneinander kämpfen müssen oder ähnliches. Jedenfalls darf es am Ende nur einen Überlebenden geben, wenn überhaupt. Dennoch, es war die Grundidee, die mich an Wonderland gereizt hat, so ein Buch hatte ich schon lange nicht mehr. Doch nach den ersten 40 Seiten war ich so genervt, dass ich das Buch schon wieder weglegen wollte. Sogar weggelegt habe. Dann meldete sich mein Pflichtbewusstsein: "Du kannst keine Rezension schreiben, wenn du nur 40 Seiten gelesen hast." Also habe ich mich weitr gequält, bis zum Ende.
Der Hauptstörfaktor in diesem Roman ist der Schreibstil. Die Sätze sind furchtbar lang, dabei aber nicht grammatikalisch geschickt verschachtelt, sondern einfach ohne Punkte aneinandergereiht. Es ist ein atemloser Schreibstil, der vielleicht die rasenden Gedanken der Ich-Erzählerin wiedergeben soll (dochwieso sollte sie schon bei einer Poolparty rasende, panische Gedanken haben?), aber es liest sich einfach nicht flüssig. Es ist eine unsortierte, unstrukturierte Sprechsprache, ein loser Umgang mit der Syntax, bei dem sich die Nackenhaare eines jeden Linguisten senkrecht stellen. Im Laufe meines Literaturstudiums bin ich für so manche sprachlichen Exprimente offener geworden und mein Geschmacksspektrum hat sich stark vergrößert. Ausgereifte Prosasprache ist das hier in meinen Augen aber nicht und auch nach hundert Seiten konnte ich mich nicht in die Geschichte fallen lassen. Dafür war das Lesen selbst viel zu anstrengend.

"Und während du diese Abfolge wahrnimmst, kannst du gar nichts machen, rein gar nichts, allenfalls noch die Metallbuchstaben über dem Tor anstarren: Ein Opfer macht frei, wir sollen alle zwei Tage einen von uns opfern, uns überlegen, wer das sein soll, was soll diese Scheiße, wie soll das gehen, ich will keinen opfern, meine Freundinnen schon gar nicht, das macht alles Mögliche mit mir, nur frei macht es nicht." 
(Seite 37)

Irgendwann wechseln dann auch die Perspektiven. An sich eine schöne Idee, aber auch hier hapert es an der Umsetzung. An der Sprache kann man ein bisschen erkennen, dass jetzt ein anderer Ich-Erzähler spricht, es ist dann etwas weniger atemlos als bei Liz, die Sätze sind angenehmer zu lesen. Dennoch habe ich den Moment des Erzählerwechsels immer wieder verpasst und musste ständig zurückblättern, weil er - abgesehen von der leicht veränderten Erzählweise - in keinster Weise angekündigt wurde. Immer wieder musste ich mich fragen: Wer erzählt da eigentlich grade? Aber eigentlich war es mir irgendwann, letztendlich, auch egal.

Es ist aber nicht nur der punktlose Schreibstil an sich, der bei mir einen Lesefluss verhindert hat. Es war auch die Wortwahl der Erzähler. Obwohl Liz eine Ich-Erzählerin ist, redet sie ständig von "man" und "du", also völlig unpersönlich. Das Beispielzitat oben ist kein besonderes, so ist wirklich der ganze Roman geschrieben. Dazu kommen ständig irgendwelche wahllos eingestreuten englischen Phrasen wie "The doctor is in / out". Mal kursiv geschrieben, mal in normaler Schrift. Worin der Unterschied liegt? Keine Ahnung, ein Muster konnte ich da nicht erkennen. Vermutlich sollen diese englischen Phrasen Liz und die anderen cool und hip erscheinen lassen. Ich fand sie völlig fehl am Platz. Wer redet, nein, wer denkt schon so? Es liest sich gewollt, künstlich.

Auch haben einige der Figuren Spitznamen, die aber nicht konsequent benutzt werden. So nennt die Ich-Erzählerin Liz (im Laufe des Fließtextes, Dialoge lasse ich einmal außen vor) eine Person A zuerst Leonardo und drei Sätze weiter Colin und fünf Sätze weiter diCabrio. Das passiert so oft, dass ich mich fragte: Sind das jetzt doch zwei oder drei verschiedene Figuren? Aber nein, am Anfang wurde erklärt, dass Colin wie Leonardo DiCabrio aussieht und er deshalb diesen Spitznamen weg hat. Diese inkonsequente Betitelung einer Figur, gerade wenn eine Ich-Erzählerin sie nutzt, sollte vermieden werden. Das macht die Ich-Erzählerin noch unauthentischer als sie ohenhin schon ist. 

Ich habe mich wirklich bemüht, etwas Positives an diesem Roman zu finden, ihm zumindest eine faire Chance zu geben und ihn nicht gleich abzutun. Aber welche Vorzüge der Plot auch immer bieten mag, für meinen Geschmack gibt es einfach zu viele Mängel und ich konnte diesen Roman nicht genießen.

Nachtrag: Beim Eintragen der Rezension in meine Rezensionen von A bis Z Liste habe ich gesehen, dass ich 2013 schon einmal ein Buch von Christina Stein gelesen habe: das Jugendbuch Stumme Angst. Auch das hat mir, vor allem aufgrund des eigenwilligen Schreibstils, nicht gefallen.



2,5 von 5 Punkten

Cover 1 Punkt, Idee 1/2 Punkt, Plot 1/2 Punkt, Figuren 1/2 Punkt, Sprache 0 Punkte

~*~ Fischer ~*~ 384 Seiten ~*~ ISBN:  978-3-7335-0289-8 ~*~ Paperback ~*~ 12,99€ ~*~ 25. August 2016 ~*~ 

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