Mittwoch, 21. September 2016

VOR DEM FALL - Noah Hawley

Quelle Goldmann


Zum Buch


 ~*~*~*~*~*~*~*~ MEINE MEINUNG ~*~*~*~*~*~*~*~

Als Scott Burroughs in das Privatflugzeug steigt, ist sein Leben gerade dabei, sich zum Besseren zu wenden. Der große Durchbruch als Künstler scheint endlich, nach so vielen Jahren, zum Greifen nah. Das Flugzeug soll ihn und zehn weitere Passagiere von Martha's Vineyard nach New York bringen - doch da kommt es nie an. Stattdessen stürzt es ins Meer und zerschellt. Bis auf ihn und den vierjährigen Sohn der Familie Bateman - JJ - gibt es keine Überlebenden. Scott weiß nicht wie, aber er schafft es, zusammen mit dem Kind zu schwimmen, bis sie Land erreichen. Sie haben überlebt. Aber wie soll es jetzt weitergehen?


"Das Meer um ihn herum ist violett wie ein Bluterguss und blau wie die Mitternacht, und das kalte Weiß der Wellenkämme schimmert im Mondlicht."
(Seite 42)

Die danach folgende Geschichte wird immer wieder von Rückblenden unterbrochen, die uns einen Einblick in das Leben der (verstorbenen) Passagiere gewährt. Wir lernen viel über Medienmogul David Bateman, über seine Frau Maggie und seine Kinder. Über seine Tochter Rachel, die eine Entführung überstanden hat, nur um dann bei einem Flugzeugabsturz zu sterben. Über Eleanor - Maggies Schwester - die sich nun um JJ kümmern muss und über ihren neuen Freund Doug, der mehr Interesse an dem Erbe als an JJ hat. Und wir lernen, wie Maggie, Scott und JJ versuchen, mit dem Unglück umzugehen und ihr Leben weiterzuleben, trotz Trauer, trotz Ermittlungen, trotz Verschwörungstheorien - trotz fehlender Leichen und Blackbox. Und über allem und jedem schwebt die Frage: Warum ist das Flugzeug abgestürzt?

Besonders schön und gleichzeitig auch verstörend fand ich die Kapitel, in denen Scotts Bilder beschrieben werden. Sie alle enthüllen - obwohl auf den ersten Blick faszinierend schön - auf den zweiten oder dritten Blick etwas Schreckliches. Eine nahende Katastrophe oder eine, die sich bereits ereignet hat. Menschen umgeben von Trümmern, Menschen im Angesicht des Todes. Anfangs stehen diese Bilder etwas alleine da, doch nach und nach fügt sich ihr Sinn in die Geschichte ein. Gestört hat mich dagegen die eher maue Recherche, was moderne Jugendbücher und deren Inhalt betrifft und damit irgendwie auch die Glaubhaftigkeit der Figuren selbst. Die 9-jährige Rachel liebt Die Tribute von Panem heiß und innig und Katniss Everdeen ist eine ihrer Heldinnen (welche Eltern lassen ihre 9-jährige Tochter so etwas lesen??). Aber wenn Hermine aus Harry Potter in der Toilette auf einen Troll stößt, muss Rachels Mutter so weit vorblättern, bis die Gefahr vorbei ist und sie Rachel versichern kann, dass Hermine nichts passiert ist. Aha. Weiß Noah Hawley, wie es in Die Tribute von Panem zugeht und was der Kern dieser Geschichte ist? Und ich meine nicht die verharmlosten, kindertauglichen Filme. Ich meine die Bücher in all ihrer tödlichen Brutalität.

Vor dem Fall ist kein nervenzerreißender Thriller voller Splattereffekte und Action. Er ist etwas trockener und emotionsloser geschrieben, etwas anspruchsvoller gestaltet als der typische Pageturner. Zwischendurch hat er ziemliche Längen, es fiel mich nicht leicht, mich auf jedes einzelne Schicksal zu konzentrieren. Etwas enttäuscht war ich auch von der Auflösung, wie es letztendlich zu dem Flugzeugabsturz kam, denn sie ist so ... banal. Und trotzdem. Vor dem Fall ging mir unter die Haut. 




3,5 von 5 Punkten

Cover 1 Punkt, Idee 1 Punkt, Plot 1/2 Punkt, Figuren 1/2 Punkt, Sprache 1/2 Punkt

~*~ Goldmann ~*~ 448 Seiten ~*~ ISBN: 978-3-442-31421-8 ~*~ Gebundenes Buch mit Schutzumschlag ~*~ 22,99€ ~*~ Aus dem Amerikanischen von Rainer Schmidt ~*~ 12. September 2016 ~*~







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