Mittwoch, 24. Mai 2017

THE GIRL BEFORE - J P Delaney

Quelle Penguin
Zum Buch

 ~*~*~*~*~*~*~*~ MEINE MEINUNG ~*~*~*~*~*~*~*~

Vergangenheit: Nach einem Einbruch in ihr Haus, bei dem sie vergewaltigt wurde, sucht Emma verzweifelt nach einer neuen Wohnung. Bei ihrer Suche stoßen sie und ihr Freund Simon auf das Haus in der Folgate Street 1 und trotz der seltsamen Regeln und des noch seltsameren Architekten, verliebt Emma sich in das Haus - und irgendwann auch in Archtitekt Edward Monkford.

Gegenwart: Nach ihrer Totgeburt möchte die alleinstehende Jane ganz neu anfangen und lässt sich daher auf einen Deal ein. Sie darf für kleines Geld in dem wunderschönen Haus der Folgate Street 1 wohnen, sofern sie bereit ist, einige Regeln des Architekten Edward zu befolgen. Dabei kommt sie dem attraktiven, wenn auch etwas verschrobenen Mann immer näher - bis sie herausfindet, dass sie nicht die erste Mieterin ist, die eine Affäre mit ihm angefangen hat. Und dass diese Affäre für die Frau vor ihr tödlich ausgegangen ist.

"9. Du wirst wütend, wenn die Dinge anders laufen als geplant.
O Stimme zu
O Stimme nicht zu"
(Seite 240)

Der Aufbau von The Girl Before ist wirklich clever gemacht, denn wir erfahren parallel, was Emma und Jane passiert ist. Wir wissen zwar, dass Emma am Ende stirbt und dass es wie ein Selbstmord aussah, aber was genau dazu geführt hat, erfahren wir als Leser erst kurz bevor es auch Jane herausfindet. Und für sie ist es dann beinahe zu spät.  J P Delaney hat es geschafft, dass ich dadurch zwischendurch mit beiden Frauen mitfiebere, obwohl ich weiß, wie die Geschichte für eine von ihnen endet. 

Interessanterweise wäre The Girl Before ein perfekter New Adult Roman, wäre der Fokus der Geschichte ein winziges bisschen verschoben. Traumatisierte, unsichere Frau trifft auf berühmten, reichen Archtitekten, der im Bett gerne die Führung übernimmt und versucht, die Frau von der Außenwelt zu isolieren. Aber die Erotik steht hier ganz und gar nicht im Vordergrund, sondern das Haus der Folgate Street 1 und warum Emma Matthews darin zu Tode gekommen ist. Und auch darum, wie der Architekt es durch seine Regeln schafft, die Frauen zu manipulieren, wie er einem immer gleichen Beuteschema folgt und dabei immer Erfolg hat. Es ist ein wunderbares Drama und die Geschichte der Figuren interessiert mich, auch wenn zwischendurch kaum etwas passiert. Aber es ist wieder einmal kein Thriller. Ganz und gar nicht. Dafür ist es dann doch zu langweilig.

"30. Welche Aussage beschreibt deine letzte Beziehung am treffendsten?
a) Eher Freunde als Liebespaar
b) Unkompliziert und gemütlich
c) Seelenverwandt und leidenschaftlich
d) Konfliktbeladen und explosiv
e) Perfekt, aber von kurzer Dauer" 
(Seite 52)

Ich hätte mir auch gewünscht, dass das Haus der Folgate Street 1, mit seinen Erkennungsarmbändern, der Housekeepersoftware und all den elektronischen Geräten, die sich den Gewohnheiten der Bewohnern anpassen, irgendwie noch mehr im Vordergrund steht. Es wird zwar immer mal wieder erwähnt, aber da steckt eigentlich noch viel mehr Potenzial hinter.

Anfangs habe ich das Buch sehr oft beiseite gelegt, habe erst einmal ein anderes gelesen, bin sogar zwischendurch in Urlaub gefahren, ohne es mitzunehmen. Immer wieder habe ich überlegt, es einfach abzubrechen. Welche große Überraschung konnte schon am Ende auf mich warten, die ich mir nicht schon selbst ausgemalt hatte? Weitergelesen habe ich eigentlich nur, weil ich gerade kein anderes Buch zur Hand hatte, das mich mehr gereizt hätte. Und tatsächlich, die Überraschung blieb aus. Denn wenn nur zwei Personen für den Mord infrage kommen und eine davon die ganze Zeit über verdächtigt wird, dann ist doch klar, wer es am Ende tatsächlich war, oder? In der Danksagung habe ich gelesen, dass Janes persönliches Drama wohl recht autobiographisch ist und auch, dass die Autorin rund 10 Jahre gebraucht hat, einen Weg zu finden, diese (ihre) Geschichte zu erzählen. Ich muss leider sagen: es lohnt sich nicht.


 



~*~ Penguin ~*~ 400 Seiten ~*~ ISBN: 978-3-328-10099-7  ~*~ Paperback ~*~ 13,00€ ~*~ Aus dem Englischen von Karin Dufner ~*~25. April 2017











 

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