Sonntag, 23. Juli 2017

BIS DU ALLES VERLIERST - Adele Parks

Quelle HarperCollins


Zum Buch


~*~*~*~*~*~*~*~ MEINE MEINUNG ~*~*~*~*~*~*~*~


Eines Tages steht ein Mann vor Alisons Tür, der eine schreckliche Behauptung aufstellt. Nämlich, dass ihre heißgeliebte Tochter Katherine gar nicht ihre Tochter ist. Sondern seine. Und seine Tochter Olivia ist eigentlich ihre. Vor 15 Jahren wurden die Babys im Krankenhaus vertauscht und nicht nur das: herausgekommen ist es nur, weil Olivias Mutter an einem seltenen Krebs auslösenden Gendefekt gestorben ist und Olivia sich daraufhin testen lassen wollte. Mit dem Ergebnis, dass sie nicht nur das Gen nicht hat, sondern dass sie überhaupt nicht mit den Trudys verwandt ist. Dafür könnte Katherine das tödliche Gen geerbt haben. 

"Ich habe eine Mauer errichtet. Sie ist dick und aus Backstein. Unglaublich hoch und undurchdringlich. So hoch wie ein Wolkenkratzer, so breit wie mehrere Autos. Dahinter sind Gedanken daran, was sein könnte."
(Seite 382)

Als ich im Klappentext gelesen habe, dass Katherine "wahres Unheil" droht, bin ich von einem Verbrechen ausgegangen. Nicht von einer potenziell tödlichen Erbkranktheit, bei der die Chancen 50/50 stehen, dass sie sie geerbt hat. Doch die ersten 50 Seiten vergehen ereignislos. Dann 100. 150. 200. Ein ganz kurzes Aufflackern, die Andeutung einer Ahnung im Nebensatz. Haben die Trudys vielleicht nicht die Wahrheit gesagt? Doch dann geht der Trott weiter. 250 Seiten und nichts ist passiert. Also nichts, das aus diesem Buch einen Thriller macht, bislang ist es nur ein Familiendrama. Und ein langweiliges noch dazu. Aber vielleicht ändert sich das ja noch? Nein, aus 250 Seiten werden 300, dann 350. Irgendwann ist es vorbei. Und dabei ist es nicht nur langweilig, es ist zwischendurch auch furchtbar aufgeblasen geschrieben. Die tapfere Sonne als glühender Liebhaber? Also bitte.

"Die tapfere Herbstsonne scheint schwach, aber trotzig und schickt mir etwas Wärme durch die Strumpfhose, haucht ihren Atem auf meine Beine, wie ein glühender Liebhaber es tun würde."
(Seite 200)

Im Vordergrund der Geschichte steht Alison, die Mutter von Katherine beziehungsweise ja eigentlich von Olivia, und eigentlich geht es nur darum, wie diese Frau, die ihr Kind abgöttisch liebt, versucht damit klar zu kommen, dass sie gar nicht ihr eigenes Kind großgezogen hat. Es wird immer wieder betont wie sehr Alison Katherine liebt und wie perfekt die Tochter ist und dass Alison nichts anderes will, als Mutter zu sein. Eine klassische Helikoptermutter. Und eigentlich war ja ihr ganzes Erwachsenenleben völlig perfekt, wie aus dem Bilderbuch. Für meinen Geschmack war das viel zu übertrieben dargestellt, was vermutlich Teil von Alisons extrem nervtödenem Charakter ist. Sie ist eine furchtbar unsympathische Ich-Erzählerin, die mir mit jeder Seite mehr auf die Nerven ging.

Im Laufe des Verarbeitungsprozesses entzweit sie sich allmählich mit ihrem Lebenspartner Jeff, dafür kommt sie dem Vater des anderen Mädchens - Tom - immer näher. Natürlich rein platonisch. Zunächst. Und sie versucht damit zurechtzukommen, dass Olivia nichts mit ihr zu tun haben will, während Katherine vielleicht schon bald an einer potenziell tödlichen Erbkrankheit sterben wird. Wobei, so richtig um Olivia bemühen tut sie sich eh nicht, als wäre sie kein bisschen neugierig auf ihre biologische Tochter. Ach ja und dann gibt es immer wieder Sprünge in Alisons Vergangenheit, in denen nur erzählt wird, dass ihre Kindheit nicht so perfekt war wie Katherines. Traurig, wenn man sich darauf einlässt, ja., ber was zum Teufel sollte das mit Peter? Der Strang läuft ins Leere. Was an all dem jetzt ein Thriller sein soll, weiß ich auch nicht. Es ist ein übertrieben dramatisches, kitschiges, langweiliges Familiendrama, in dessen Fokus eine völlig überzogen dargestellte Übermutter steht, die mich als Leserin in den Wahnsinn getrieben hat.

"Ich könnte ihm zu nahe kommen, weil er Katherine so ähnlich ist. [...] Es fällt mir schwer, die beiden strikt auseinanderzuhalten. Die beiden sind untrennbar miteinander verwoben. Ich vertraue ihm, weil ich ihr vertraue. Ich halte ihn für liebenswert, weil ich weiß, dass sie es ist."
(Seite 314)

Ich habe in letzter Zeit viele langweilige Thriller gelesen und ich habe mich oft gefragt, womit diese Geschichten die Bezeichnung Thriller überhaut verdient haben. Bei Bis du alles verlierst fühle ich mich aber komplett veräppelt. Dieser reißerische Titel, das Genre typische Cover, der Klappentext. Und dann bekommt man die tragischen Probleme einer reichen Hausfrau und Mutter vorgesetzt? Was soll das? Bis du alles verlierst als Thriller zu bezeichnen ist, als würde man auf eine Dose Rollmöpse Schokolade schreiben. Warum ich das Buch zuende gelesen habe? Weil ich wissen wollte, ob nicht doch noch ein Grund dafür kommt, dass sich diese Geschichte Thriller nennen darf. Ab Seite 380 passiert tatsächlich endlich etwas, aber was das ist, habe ich schon nach 200 Seiten gewusst. Also war es eigentlich keine Überraschung und was folgt ist lediglich eine mögliche Konsequenz aus dem vorangegangen Drama. Wer beide Augen zukneift und viel guten Willen mitbringt, kann vielleicht behaupten, dass ab Seite 380 so etwas wie eine Thrillerhandlung einsetzt. Aber ich bin nicht bereit, auch nur ein Auge zuzukneifen und sage daher: Nein, dieses Buch ist auf keiner einzigen Seite ein Thriller.





~*~ HarperCollins ~*~ 450 Seiten ~*~ ISBN: 9783959671118 ~*~ Klappbroschur ~*~ 14,00€ ~*~ ~*~ Ins Deutsche von  Birgit Salzmann ~*~ 10. Juli 2017 ~*~

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